Trier

Aus Mittelalter-Lexikon
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Trier. In einem Talbecken der Mosel, unterhalb des Saarzuflusses, richteten die Römer, nachdem sie die eingesessenen Treverer unterworfen hatten, um 16 v. Chr. die Stadt Colonia Augusta Treverorum ein. Diese wurde wegen ihrer günstigen Lage am Schnittpunkt wichtiger Fernstraßen zu einem röm. Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum (mit ca. 60.000 Einwohnern) und im 3. Jh. Sitz eines Bischofs. Von 293 bis 329 war Trier ("Treveris") die Residenzstatd des Weström. Reiches. Zu Beginn des 5. Jh. von ripuarischen Franken überrannt, blieb Trier in seinen Grundzügen erhalten, kam 475 an das Fränk. Reich, wurde kurz vor 800 Erzbistum, überstand einen Raubüberfall durch die Wikinger (882), bekam 902 Markt- und Münzrecht, wurde 925 zusammen mit Lothringen dem Dt. Reich zugeschlagen. 958 ließ Erzbischof Heinrich I. als Zeichen seiner Stadtherrschaft auf dem neuen Marktplatz (dem heutigen Hauptmarkt) ein Marktkreuz errichten, das als das älteste in Deutschland gilt. Unter der Herrschaft der Liudolfinger (919 - 1024) war der Hof der Erzbischöfe von Trier ein wichtiges politisches und kulturelles Zentrum, gleichzeitig wuchs die Wirtschaftskraft der Stadt. Seit dem 12. Jh. führte der Selbstbestimmungswille der Bürgerschaft zu wiederholten Aufständen, aufgrund derer 1301 die Einrichtung eines Stadtrates zugestanden wurde. Ab 1198 traten die Erzbischöfe von Trier – zusammen mit den Erzbischöfen von Mainz und Köln – als Königswähler auf, hatten den Status von Kurfürsten erlangt. Im 12./13. Jh. bauten die Trierer eine neue Stadtmauer, die in Teilen der röm. Mauer folgte, meist aber weit hinter deren altem Verlauf zurückblieb – war doch die Bevölkerung stark zurückgegangen und zählte Anfang des 14. Jh. noch 10.000 Köpfe. 1473 wurde eine Universität gegründet, deren Betrieb 1798 wieder eingestellt wurde.
Trier war ein bedeutendes Pilgerziel, woraus sowohl die Kirchen und Klöster als auch die Bürgerschaft bedeutenden finanziellen Nutzen zogen. Die Anziehungskraft der Trierer Heiltumsfahrt beruhte vor allem auf hochrangigen Reliquien des Trierer Domkapitels, deren vornehmste der "Trierer Rock" (Tunika Christi, erstmals bezeugt 1196) war. Dazu kamen der Arm der hl. Anna, der Stab des hl. Petrus, die Gebeine des ersten Trierer Bischofs Maternus, die Häupter des hl. Matthias, des hl. Papstes Kornelius und der hl. Helena (letzteres mit Krone), und die Gebeine der hl. Barbara. Neben diesen Hauptstücken gab es in Trierer Kirchen und Klöstern weniger bedeutende Reliquien, darunter einen falschen Würfel, mit dem die Schächer um den Heiligen Rock gespielt hatten, das Messer vom letzten Abendmahl, mit dem Jesus das Paschalamm zerteilt hatte, den Kamm Mariens und den Schleier, den sie bei der Verkündigung trug, Knochen von Märtyrer-Legionären der Thebäischen Legion, die Sarkophage der Heiligen Eucharius und Valerius und einen Teil vom Kreuz Christi.
Eine Fülle erhaltener Großbauten erinnert an die Römerzeit, so das Stadttor Porta Nigra, die kaiserliche Palastaula („Konstantinsbasilika“), ein Amphitheater, Reste der Kaiser- und der Barbara-Thermen (benannt nach der ma. Vorstadt St. Barbara), die steinerne Moselbrücke u.a. Beachtlich ist auch der Bestand an ma. Gebäuden, z.B. der roman. Dom (11./12. Jh., über einer röm. Basilika des 4. Jh.), die frühgot. Liebfrauenkirche (Zentralbau; 13. Jh.), die Pfarrkirche St. Gangolf (gegr. 958, im 15. Jh. neu erbaut), die Wallfahrtskirche St. Matthias (Klosterkirche einer Benediktinerabtei, in welcher die Gebeine des Apostels Matthias verehrt wurden; 1160 vollendet und im wesentlichen erhalten), das 1936/39 vorbildlich wiederhergestellte Simeonstift (erbaut ab 1036 in baulichem Zusammenhang mit den beiden Kirchen in der Porta Nigra), das Festhaus der Ratsherrschaft am Marktplatz („Steipe“; 1430 errichtet, 1481/83 umgebaut), die Patrizier-Turmhäuser „Frankenturm“ (11. Jh.) und „Dreikönigenhaus“ (erste Hälfte 13. Jh.), das Judenviertel mit dem ältesten erhaltenen Judenhaus (Judengasse 2) in Deutschland, erbaut 1311.