Ulrich von Liechtenstein

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ulrich von Liechtenstein (um 1200 - 1276). Ulrich stammt aus dem steiermärkischem Ministerialengeschlecht de Liechtenstein, dessen Stammsitz die Burg Liechtenstein bei Judenburg an der Mur war. Er wurde 1241 Truchsess der Steiermark und 1245 Landesrichter. Von ihm stammen neben anspruchsvollen Minneliedern der satirische minnetheoretische Disput "Frauenbuch" ("der vrouwen buoch", darin geben Ritter und Dame in Dialogform Verhaltensregeln zur rechten Lebensweise und zur Unterscheidung von Gut und Böse) und der autobiographische Versroman "Frauendienst" ("Vrouwen dienest", 1255). Wenngleich auf realer Grundlage, parodiert er darin auf geradezu groteske Weise den idealen "Frauenritter", die äußerste Übersteigerung der praktizierten hohen Minne, von der besessen der Titelheld das Handwasser der verehrten Dame schlürft und sich einen Finger abhackt und ihr zum Zeichen seiner Ergebenheit zusendet. Seine Schilderungen des zeitgenössischen Turnierwesens gelten als zuverlässige Quelle für die Sittengeschichte der Zeit. In den Roman eingestreut finden sich 58 Minnelieder aus Ulrichs Feder.