Ulrich von Winterstetten

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ulrich von Winterstetten (urkundlich bezeugt zw. 1241 und 1280). Er stammte aus einem oberschwäbischen Ministerialengeschlecht, das in Beziehung zum staufischen Herrscherhaus stand, und wurde Domherr in Augsburg. Bekannt machten ihn seine 40 Minnelieder und fünf Leichs. Die Minnelieder – überwiegend Werbelieder mit Natureingang – stehen in hochhöfischer Tradition. Besonderen Wert legt Ulrich auf die kunstvolle Variation herkömmlicher Motive, Rollen und Argumentationsmuster, sowie auf die artistische Gestaltung der Form. Neu ist die häufige Verwendung effekttvoll eingesetzter Refrains. Ulrichs Minneleichs enthalten die gleichen Motive wie seine Lieder; als Tanzleichs sind sie beschwingtere Kompositionen als die feierlichen Leichs der klassischen Zeit. Als Textbeispiel die erste Strophe eines seiner Tagelieder:

Bi liebe lac ein ritter tougenliche
die naht biz an den tac.
Der minne pflac mit im diu minnecliche;
die minne er widerwac,
Biz daz der wahter sanc: "ez tagt",
daz von in beiden wart geklagt.
"ach herzeliebiu frouwe min",
so sprach der ritter wolgemuot:
"ich waene, ez müeze ein scheiden sin."