Via Francigena

Aus Mittelalter-Lexikon
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Via Francigena (Frankenstraße, -weg, Via Romea, Via Francorum, Strata Francigenarum). Name des Fern-Pilgerwegs von Canterbury (im süd-westl. England) nach ® Rom zu den Gräbern der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Die Route soll erstmals 990 von Bischof Sigeric von Canterbury (Sigeric the Serious) beschrieben worden sein, als er zu seiner Investitur den Papst aufsuchte. Kurz nach seiner Reise verfasste der Erzbischof anhand seiner Tagebuchnotizen eine ausführliche Wegebeschreibung.
Die Route führte über den Kanal nach Calais, weiter über Arras, Reims, Chalons-du-Marne, Bar-sur-Aube, Besancon, Pontarlier und Lausanne zum Großen St. Bernhard (mons Jovis) und über diesen ins Aostatal. Es folgten Pavia , Piacenza, Fidenza, Lucca, St. Gimignano, Siena, Bolsena, Viterbo, Sutri und endlich Rom, wo die Reise am Petersplatz endete.
Die Fernstraße hatte nicht nur als Pilgerroute, sondern auch als Handels- und Heeresstraße große Bedeutung als Verbindung zwischen Westeuropa und Italien, und war schon von den Römern benutzt worden. Ihre Länge beträgt ca. 1.600 km und sie konnte von Fußreisenden in 10 bis 12 Wochen bewältigt werden. Entlang der Via Francigena entstanden viele Klöster, Pilgerhospize und Kathedralen. Nach dem Mord an Erzbischof ®Thomas Becket von Canterbury (1170), nach dessen Heiligsprechung (1172) und nachdem die Kathedrale von Canterbury zum Wallfahrtsort geworden war, setzte auch starker Pilgerverkehr von Süden her ein.
In die Frankenstraße mündeten von den umliegenden Regionen her viele Zubringerwege, sodass die Menge der Pilger und sonstigen Reisenden in Richtung Rom immer mehr anschwoll.