Villon, François

Aus Mittelalter-Lexikon
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Villon, François (François de Montcorbier, F. des Loges; 1431 – nach 1463). Der Sohn armer Pariser Leute war früh verwaist und wurde von dem Juristen und Stiftsherrn Guillaume de Villon an Kindes statt angenommen, nach dem er sich seit 1455 benannte. Er studierte an der Pariser Universität, promovierte 1449 zum Bakkalaureus und 1452 zum Magister der Artes, ohne ein weiterführendes Studium abzulegen; stattdessen sank er in das akademische Proletariat ab und schloss er sich einer kriminellen Bande an. Er beging einen Totschlag und floh aus Paris (1455). In Abwesenheit begnadigt, konnte er schon ein Jahr später zurückkehren und setzte sein Leben als Gauner fort, und trug auch gelegentlich in Wirtshäusern eigene Dichtungen zur Belustigung seiner Kumpane vor. Erneut straffällig geworden, floh er im Winter 1456 wieder aus Paris. Im darauffolgenden Herbst wurde er in Blois aus unbekanntem Grund eingekerkert und zum Tode verurteilt; eine obrigkeitliche Amnestie rettete ihm kurz vor der Hinrichtung das Leben. Nachdem sein Versuch, wieder von seinem Ziehvater aufgenommen zu werden und ein bürgerliches Leben zu beginnen gescheitert war, ist er erneut in die Kriminalität abgeglitten, und wurde eines minderen Delikts wegen als Wiederholungstäter zum Tode verurteilt. Auf seine Berufung beim Obersten Pariser Gerichtshof hin wurde er zu zehnjähriger Verbannung begnadigt. Er hat Paris im Januar 1463 verlassen und ist ohne weitere Nachricht verschollen.
Villon hat als erster die Volks- und Gaunersprache sowie Ausdrücke aus dem Rotwelsch (argot) in Texte der mfrz. Hochsprache einbezogen.
Seine Texte haben sich durch die Sammeltätigkeit reicher Literaturliebhaber erhalten und sind 1489 erstmals in Druck gegangen. Aus der Vielzahl seiner Werke seien genannt: Le Lais ("Verse"; 1456; Villon wendet sich als Ich-Erzähler in boshaft-witziger Weise an namentlich genannte Personen aus Polizei und Justiz); sein Hauptwerk Le Testament (1461/62; eine Sammlung von satirischen bis selbstkritischen Gedichten); Ballade des Pendus („Lied der Gehenkten“, 1462; Villon bittet als einer der schon mit dem Strick um den Hals auf die Hinrichtung Wartenden die Umstehenden und bittet um Mitleid).