Würzburg

Aus Mittelalter-Lexikon
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Würzburg. Von einer linksmainischen Anhöhe (Würzberg, seit d.12. Jh. Marienberg) beherrschte in vorgeschichtlicher Zeit eine kelt. Fliehburg den unmittelbar darunter liegenden Mainübergang. Nach der fränk. Landnahme entstand im 6. Jh. auf dem gegenüberliegenden Ufer ein fränk. Herzogsitz, der 704 erstmals als "Castellum Virteburh" erwähnt ist. Das um 685 von dem irischen Missionar Kilian eingerichtete Bistum Würzburg wurde 741 vom hl. Bonifatius bestätigt, mit dem irischen Wanderprediger Burchard als erstem Bischof besetzt und der Kirchenprovinz Mainz unterstellt. Zur Weihe des über Kilians Grab errichteten ersten Doms kam 788 Karl d. Gr. nach Würzburg. Die Bischöfe von Würzburg wurden bald durch Schenkungen und Privilegien zu den mächtigsten Herren der fränk. Lande um den Main. 1030 erhielten sie das Münz-, Zoll- und Marktrecht. Ihre herzogsgleiche Gewalt wurde 1168 von Friedrich Barbarossa durch den Herzogtitel bestätigt.
Würzburg (lat. Herbipolis) kam durch Handel, Wein- und Gartenbau zu Bedeutung, wurde um 1000 erstmals ummauert und erlebte 1040 den Baubeginn des Doms St. Kilian. Am unteren Ende des sich vom Dombezirk zum Mainufer erstreckenden langgezogenen Straßenmarktes entstand wohl schon im frühen 12. Jh. eine Brücke. Für 1150 ist ein jüdisches Viertel belegt. Auf dem Marienberg entstand im 12. Jh. um den roman. Rundbau der Marienkirche (10. Jh.) die befestigte Herrenburg der Fürstbischöfe. Hier verschanzten sie sich vor der aufbegehrenden Stadtbürgerschaft, die in der Schlacht von Bergtheim (1400) durch ein Stiftsheer endgültig niedergeworfen wurden. Durch diesen Sieg, der das Ende der patrizischen Geschlechter Würzburgs brachte, sicherten sie ihre Autorität als Stadtherren bis weit in die Neuzeit (Säkularisation 1802).
Die Altstadt wurde 1945 durch Fliegerbomben fast restlos zerstört. Erhaltene oder wiederaufgebaute ma. Gebäude sind u.a.: der Kiliansdom (roman. Basilika, 11./12. Jh., Osttürme 1237), Neumünster (11.-13. Jh; barockisiert; Grablege der iroschottischen Missionare Kilian, Kolonat und Totnan, die hier Ende des 7. Jh. den Märtyrertod erlitten hatten) mit Kreuzgang und Grabmal Walthers v. d. Vogelweide, St. Burkhard (roman. Basilika, 11. - 15.Jh., mit Querhaus und Chor aus d. 15. Jh.), Deutschhauskirche (frühgot. Bau, 13. Jh.), Franziskanerkirche (frühgot. Ordenskirche), Marienkapelle (spätgot. Hallenkirche, 14./15. Jh.) und die steinerne Mainbrücke (erster Bau 1133 - 46, heutiger Bau aus den Jahren 1473 -1543, besetzt mit charakteristishen Heiligenfiguren).