Wachstafel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wachstafel (mhd. wahs, wahstavellin; mlat. tabula cerata, tabula, cera). Während des ganzen MA. verwendete man für Schreibübungen, Aufnahme von Diktaten, Berechnungen, alltägliche Notizen oder für Briefentwürfe und andere Texte Wachstafeln, wie sie schon in der Antike gebräuchlich waren. Diese bestanden aus einer rechteckigen Tafel aus Holz, Elfenbein oder Silber, deren erhabener Rand die Schreibfläche umrahmte, welche mit Bienenwachs – gehärtet mit Leinöl, Baumharz, Teer oder Talg – glatt ausgegossen war. In den Tafelgrund war zur Besseren Haftung der Wachsschicht ein Muster aus Rillen eingetieft. Das Wachs war entweder schwarz oder grün eingefärbt, der Grund häufig weiß gestrichen, um die Schrift besser hervortreten zu lassen. Je nachdem, ob zwei, drei oder mehrere (bis zu 10) Wachstafeln codexartig mit Ringen oder Riemen zusammengebunden waren, sprach man von Diptychon, Triptychon oder Polyptychon. Die Größe varriierte von klein (ca. 10 x 5 cm) über mittel (ca. 20 x 10 cm) bis groß (ca. 35 x 25 cm). In zusammengeklapptem Zustand schützten die Deckel die weiche Schreibfläche.
Die Schriftzeichen wurden mit der Spitze eines Griffels (mhd. griffel; mlat. graphium, stilus) aus Bronze, Blei, Silber, Bein oder Holz eingeritzt, und mit dessen verbreitertem, spachtelförmigen Ende wieder geglättet, gelöscht. Das Löschen bezeichneten die Schreiber als "stilum vertere" ("den Griffel wenden"). Der Ausdruck "tabula rasa" bezieht sich auf den leeren Zustand einer gelöschten Tafel, der einen Neuanfang möglich macht.
Ein kleines Diptychon ließ sich leicht am Gürtel befestigt mit sich führen, und stand so jederzeit für Notizen zur Verfügung. Von wuchtigem Format und beträchtlichem Gewicht und nur für ortsgbundnenen Gebrauch bestimmt waren die Polypticha ecclesiastica, in denen auf vielen, bis zu DIN A 3 großen Tafeln z.B. Listen Verstorbener geführt wurden.
Zwar ging bei der Benutzung der Wachstafel durch Abrieb ständig etwas Wachs verloren, so war sie, wenn schon nicht endlos, so doch lange Zeit immer wieder beschreibbar