Wachtel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wachteln (mhd. wahtele, ahd. wahtala; lat. coturnix; wissensch. Coturnix coturnix; der Name Wachtel ist wohl lautmalerisch nach deren schnarrendem Ruf „pickwerwick!“, dem „Wachtelschlag“, gebildet). Kleinste unter den Hühnervögeln (ca. 18 cm lang, 100 gr schwer) und deren einzige Zugvögel. Die in Europa (ausgenommen im hohen Norden) verbreitete Feldwachtel (Coturnix coturnix) zog zum Überwintern in großen Schwärmen in die Mittelmeerländer, besonders in die Steppen und Savannen Nordafrikas. Von riesigen, tieffliegenden Wachtelschwärmen, die im Oktober als "Himmelsbrot" im Sinai einfielen, berichtet schon die Bibel (Ex 16,13, Num 11,31f u.a.m.)
Zur Brutzeit gegen Ende Mai suchte sie gerne die Kultur- und Brachfelder der europäischen Kulturlandschaften auf, wo sie genügend Nahrung fand. Sie ist ein Bodenbrüter, hat ein unscheinbares braunes, am Rücken gelblich oder schwarz gefärbtes Federkleid, lange spitze Flügel und einen kurzen Schwanz.
In Ägypten wurden die Zugvögel massenweise mit Händen und mit Netzen aus Schilfgeflecht gefangen und waren als Opfertiere und zum Verzehr eine begehrte Handelsware. Aus dem Alten Rom berichtet Varro (116-27 v.u.Z.) von Wachtelhaltung und –mast, zu Zeiten Plinius´ d. Ä. (~23 – 79) galt der Vogel dagegen als ungesund, da er sich von giftigen Sämereien ernähre. Plinius berichtet auch von Wachtelkämpfen, die als Volksbelustigung gezeigt wurden. – Die röm. Wachteldomestikation hat keine nachantike Fortsetzung gefunden.
Hildegard v. Bingen (12. Jh.) empfiehlt Wachteleier als Stärkungsmittel. Megenberg behauptet in seinem „Buch der Natur“ (1350), dass die Wachtel als einziges der Tiere epileptisch wie der Mensch werden könne. Ma. Volksglauben nach fiel in der Gegend, in welcher sie nistet oder wo der erste Wachtelschlag gehört worden war, sommers kein Hagel; von daher galt es als sündhaft, Wachtelnester zu zerstören. Aus häufigem Wachtelruf vor der Ernte schlossen Landleute auf schlechte Ernte und teures Korn.
Wachtelfleisch wurde – besonders als „gefilte wachtl“ – als Delikatesse geschätzt, weshalb man den Vögeln mit Netzen nachstellte und sie bei der Beize bejagte. Wegen ihres Gesangs hielt man sie auch häufig im Käfig. Die gesprenkelten Wachteleier, nur etwa 10-12 gr. schwer, also etwa entsprechend dem Fünftel eines Hühnereis, erbrachten als Delikatesse (zubereitet wie Hühnereier) und als Medizin (Stärkungs- und Potenzmittel) gutes Geld.