Wagenburg

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wagenburg (mhd. wagenburc). Im MA. war seit je die flexible Feldbefestigung der Wagenburg bekannt, wobei die Trosswagen zu einer kreisförmigen oder viereckigen Verteidigungsanlage zusammengestellt wurden, die gute Deckung und eine erhöhte Kampfplattform bot. Die Wagen waren auf der dem Feind zugewandten Seite mit hohen Bordwänden aus starken Planken mit Schießscharten bewehrt, standen eng aufgeschlossen, wobei sich Vorder- und Hinterräder aufeinanderfolgender Wagen überlappten, und waren untereinander mittels Ketten verbunden. Auch auf dem Marsch nutzte man die Deckung der in Zeilen hintereinander fahrenden Wagen.
Wagenburgen sind belegt für Frankreich (Schlacht bei Bouvines, 1214), Flandern (Schlacht v. Monz-en-Pelve, 1304) und für die Hussitenkriege (Schlacht bei Tachau/Westböhmen [1427] und andere Treffen; Kampfwagen der hussitischen Heere unter Jan Zizka waren mit Eisenplatten beschlagen, z.T. mit größeren Feuerwaffen bestückt und können als erste Panzerwagen betrachtet werden). In Konrad Kyesers "Bellifortis" steht: „Im Kampf stellt man die Wagen dicht nebeneinander, so dass sie in fortlaufender Linie eine geschlossene Einheit bilden“. Um die Mitte des 15. Jh. fanden sich sowohl in den deutschen Reichstagsakten als auch in vielen Städteverordnungen Wagenburgordnungen als Teil der Verfügungen für Kriegszüge.
H. Delbrück betont, dass Kriegswagen rein der defensiven Deckung gedient haben; die Ansicht des Kosmographen Enea Silvio Piccolomini von deren offensiven Einsatz verwirft er als unhistorisch.