Waise (Edelstein)

Aus Mittelalter-Lexikon
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Waise (mhd. weise; lat orphanus, mlat. orbus, orba; hier: der einzigartige [Edelstein]) war eine ma. Bezeichnung für den legendären Karfunkelstein, da man annahm, dass er nur einzeln, "verwaist", vorkäme. Unter Karfunkelsteinen (mhd. karbunkel; lat. carbunculus = kleine Kohle – weil er, in die Sonne gelegt, wie eine glühende „kleine Kohle“ rot erglänzt) verstand man im MA. rötlich strahlende Edelsteine. Seit dem 13. Jh. unterschied man ®Rubin (lat. rubinus = rot), ®Granat (lat. granatus = gekörnt) und „echten“ Karfunkel, wobei der „echte“, sonnenhell strahlende, unermesslich kostbare Karfunkel nur in der Fiktion der Märchen und Fabeln vorkam.
Karfunkelsteinen – vertreten durch Rubine – wurde im MA. hoher symbolischer und magischer Wert beigemessen, weswegen sie zum Schmuck hochrangiger Herrschaftszeichen, etwa der Reichskleinodien, verwendet wurden. Die Kraft des Karfunkels bekämpft Gift und Teufelswerk, macht böse Dünste und Versuchungen der Dämonen zu Schanden, verleiht Unangreifbarkeit schlechthin und hohen Mut.
Bei der hohen Wertschätzung des Rubins verwundert es nicht, dass Fälschungen aus rotem Glas umliefen.
Bei der hohen Wertschätzung des Rubins verwundert es nicht, dass Fälschungen aus rotem Glas umliefen.