Walkmühlen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Walkmühlen (mhd. walcmule; v. mhd. walken, ahd. walchan = kneten; auch: watmule, v. mhd. wat = Tuch; mlat. walcatoria, molendinum vualcarium, m. ad walcandum, m. fullonarium, m. fullonum). Vom 11./12. Jh. an entstanden in Frankreich (Normandie), vom Anfang des 13. Jh. an auch in England und im deutschsprachigen Raum wasserkraftgetriebene Stampfen (Walkmühlen), in denen die hölzernen Stempel durch eine Nockenwelle erst angehoben wurden, um dann durch ihr Eigengewicht auf die Tuche im Walktrog niederzufallen. Etwas später wurden verbesserte Stampfen konstruiert, bei denen schrägstehende Hämmer, deren Stiel („Schwinge“) am einen Ende drehbar gelagert war, am entgegengesetzten, den hölzernen Hammerkopf tragenden Ende von der Nockenwelle angehoben und beim Weiterdrehen zum Niederfallen in den Walktrog freigegeben wurde.
Jede Walkmühle setzte etwa 40 Fußwalker (s. Walker) frei, weswegen das mechanische Walken vielerorts auf den Widerstand der betroffenen Arbeiter stieß. Qualitätsbewusste Hersteller feiner Wolltuche zogen "hand-" bzw "fußgewalkte" Ware wegen der schonenderen Bearbeitungsweise der maschinengewalkten vor. Mancherorts wurden Walkmühlen wegen der mangelhaften Qualität der bearbeiteten Stoffe wieder verboten oder auf die Bearbeitung billiger Massenware beschränkt.
Walkmühlen wurden außer von Wolltuchmachern auch von Weiß- und Sämischgerbern benutzt, um feinere Lederarten geschmeidig zu machen.
Die älteste Walkmühle in Deutschland soll vor 1246 in Biewer bei Trier betrieben worden sein. Um 1280 soll bei Köln auch eine ®Schiffsmühle zum Walken benutzt worden sein. Als Errichter und Betreiber von Walkmühlen traten vor allem der Zisterzienser- und der Prämonstratenserorden, auch der Deutschritterorden auf. Sie besaßen die nötige Wirtschaftskraft und das erforderliche technische Wissen. Die hohen Gestehungskosten einer Walkmühle wurden durch eine wesentlich schnellere und intensivere – wenngleich das Tuch stärker strapazierende – Arbeitsweise wettgemacht. Als grundherrschaftliche Bannanlagen brachten sie zusätzlichen Gewinn, erregten aber auch den Hass der betroffenen Bevölkerung.