Wehrgang

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wehrgang (hurt, letze, wer; Mordgang). Mit zunehmendem Umfang der Burgen- und Stadtanlagen wurden Schutzmauern, deren Krone breit genug war, um den Verteidigern darauf ausreichend Platz zu bieten, ganz einfach zu teuer. So verlegte man sich auf den Bau relativ schwacher Mauern, die dafür von breiten, außenliegenden Wehrgängen aus verteidigt werden konnten. Kaiser Konrad IV verordnete 1238, dass mit der Verleihung des Stadtrechts die Auflage verbunden war, Mauern von 18 Fuß (5,64 m) Höhe und 4 Fuß (1,25 m) Stärke zu errichten. So schwache Mauern hatten nur Sinn, wenn sie von jedem Punkt aus zu verteidigen waren; diesem Zweck dienten Mauertürme und ein die ganze Stadtperipherie umlaufender Wehrgang. Dieser bestand aus einer schindelgedeckten Holzkonstruktion, war nach außen durch eine Brustwehr geschützt und mit Schießscharten und herausnehmbaren Bodenteilen ausgerüstet. Die Aufgänge zum Wehrgang befanden sich in vorspringenden Mauertürmen, von welchen die Mauerfront seitlich bestrichen werden konnte. Diese Mauertürme waren oft nicht voll ausgebaut, sondern blieben als ®Schalentürme hinten offen. Wehrgang wie Mauertürme waren überdacht.
Gut erhaltene Wehrgangs-Anlagen finden sich in vielen alten Städten Deutschlands, so beispielsweise in Rothenburg o.T., Nördlingen, Dinkelsbühl oder Berching.