Weistum

Aus Mittelalter-Lexikon
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Weistum (ahd. wistuom = Weisheit; von wisen = belehren, das Recht wissen lassen). Über Rechte und Pflichten der Angehörigen eines grundherrschaftlichen Verbandes (bestehend aus dem Grundherrn und seinen Hintersassen), entwickelten sich – aus Gewohnheitsrecht und Gerichtsurteilen – mündlich weitergereichte Regelwerke (Weistum [i.d. Pfalz, a. d. Mosel und am Mittelrhein], Öffnung [Schweiz], Ehafttaiding [Bayern], Banntaiding [Österreich], Dinghofrodel [Elsaß], Willkür, Beliebung [Niederdeutschland], Rüge [N-Böhmen, Sachsen]), die vom 13. Jh. an schriftlich in der Landessprache festgelegt wurden. In ihnen war durch Weisung rechtskundiger Personen verbindlich entschieden u.a. über grundherrliche Anrechte auf ®Abgaben und ®Frondienste der Hintersassen, über die gemeinschaftliche Nutzung von herrschaftseigenen Einrichtungen wie Mühle, Backhaus, Brauhaus und Badestube, über die Allmende-, Einzäunungs- und Weideordnung, über Fähren- und Stromrecht, über Nachbarrecht und -dienst und über dörfliche Gerichtsbarkeiten. Ein Weistums-Grundsatz lautet: "Item es hat auch kein herr mer ze bieten noch ze fodren an seinen holden dan sein rechten dienst" (holden = Grundholden).
Hauptverbreitungsgebiete der Weistümer waren Südwestdeutschland, die Schweiz und Österreich; in Nord- und Ostdeutschland waren sie dagegen nur spärlich vertreten. Der Grund für die unterschiedliche Verbreitung wird in der unterschiedlichen Dichte von bäuerlichen Gemeinden und Dorfsiedlungen gesehen (W. Rösener).
Im SMA. kamen Weistümer auch bei kirchl. Sendgerichten, bei weltl. Landgerichten, bei Femgerichten ("Femeweistümer") und bei der Reichsgerichtsbarkeit ("Reichsweistümer") in Gebrauch.