Wien

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wien. Am Durchbruch der Donau durch die Wiener Pforte, oberhalb der Mündung des Wien-Flusses in einen Nebenarm der Donau ("Donaukanal"), richteten die Römer um das Jahr 50 neben einer Keltensiedlung ihr Militärlager Vindobona ein. In schriftl. Quellen erscheint der Ort lediglich 493 als "Vindomina" und 881 als "Wenia", es darf jedoch trotz der seltenen Erwähnung von einer Siedlungskontinuität innerhalb der Mauern von Vindobona ausgegangen werden. In karolingischer Zeit bestand in der Nordostecke des Römerkastells eine Ansiedlung mit Turmburg, Kirche und Markt, die auch den Donauhafen oberhalb der Mündung der Wien beschützte. 907 war der Ort in der Hand der Ungarn; nachdem 976 die ®Babenberger von Otto II. mit der Ostmark belehnt worden waren, kam Wien zwischen 991 und 1042 wieder unter deutsche Herrschaft. 1156 wurde Wien Residenzort des nunmehr in den Herzogsrang erhobenen Geschlechts. Dank ihres Ranges als Residenzstadt und ihrer günstigen Lage am internationalen Wasserweg Donau und trotz der ständig drohenden Ungarngefahr blühte der Ort wirtschaftlich auf, bekam 1198 und 1221 Stadtrechte verliehen, nachdem er schon 1137 erstmals als "civitas" erwähnt worden war. Um 1200 wurde der alte Stadtbezirk am Donaukanal ummauert. Die Entwicklung der Stadt nahm ihren Fortgang unter dem Böhmenkönig Ottokar II. Przemysl, der 1251 das Herzogtum Österreich nach dem Aussterben der männlichen Linie der Babenberger durch Ehelichung der Babenbergerin Margarete in Besitz bekommen hatte. Nachdem Ottokar seinem Mitbewerber um die dt. Königskrone, dem von den dt. Fürsten favorisierten Rudolf von Habsburg, den Treueid verweigert hatte, wurden seine österreichischen Länder vom Hause Habsburg annektiert (1276). Herzog Rudolf d. Stifter begann 1304 mit dem got. Neubau der Pfarrkirche St. Stephan, die nach der Erhebung Wiens zum Bischofssitz (1469) Kathedrale wurde. 1365 wurde – ebenfalls unter Herzog Rudolf – die Universität gegründet. Seit 1438 war Wien Residenzstadt der röm. Kaiser aus dem Hause Habsburg (die mit nur einer Unterbrechung bis 1806 von hier aus regieren sollten).
Außer dem Stephansdom sind folgende ma. Bauwerke erhalten geblieben: die Ruprechtskirche (11. - 13. Jh.), die Michaelerkirche (13. - 15. Jh.; klassizistische Fassade), die Augustinerkirche, Minoritenkirche und Maria am Gestade (alle 14./15. Jh.) sowie der im 13. Jh. entstandene Kern der Wiener Hofburg.
Der Stephansdom wurde in der 1. Hälfte des 12. Jh. außerhalb der Stadt als Pfarrkirche errichtet. Von einem spätroman. Vorgängerbau aus der ersten Hälfte des 13. Jh. ist nur die Westfassade erhalten geblieben (mit "Riesentor" und "Heidentürmen"). Zwischen 1304 und 1511 entstand der got. Neubau, ein dreischiffiger Hallenchor und ein dreischiffiges Langhaus (Staffelhalle) unter einem einzigen, hochaufragenden Dach. Das Netzgewölbe stammt aus dem Jahr 1450. Zwischen Chor und Langhaus war jederseits ein Turm geplant, jedoch kam nur der südl. zur Ausführung. Dieser, der 136 m hohe "Steffel", wurde 1433 vollendet und gilt als Wahrzeichen der Stadt. Aus dem reichen Kunstschatz des Doms seien nur das Grabmal Kaiser Friedrichs III. (um 1470 begonnen), das Chorgestühl (1476-86; 1945 verbrannt) und die "Dienstbotenmadonna" (Stein, 1320/30) genannt.