Worms

Aus Mittelalter-Lexikon
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An einer zwischen den Mündungen der linken Zuflüsse Eis und Pfrimm gelegenen Furt durch den Rhein, die mehrere wichtige Handelswege bündelte, lag die kelt. Metropole Borbetomagus (v. borbet = Sonnengöttin und magus = Heim). Diese wurde um 50 v. Chr. von den Römern übernommen und zu der Stadt "Civitas Vangionum" ausgebaut, benannt nach dem germ. Stamm der Vangionen. 346 wurde Worms Bischofsstadt, 413 Hauptstadt der von den Römern als Hilfstruppen am Rhein angesiedelten Burgunder. Das Burgunderreich wurde 437 von den Hunnen zerstört; nach vorübergehender Besetzung durch Alamannen übernahmen um 500 Franken die Stadt, und errichteten die Königspfalz "Warmatia". Um 600 wurde das zugrundegegangene Bistum neu eingerichtet. Unter den Dt. Kaisern des 10./11. Jh. wuchs die Macht der Wormser Bischöfe beträchtlich an, 979 erhielten sie die Wormser Grafschaft. Die Bürger von Worms nutzten die Zwistigkeiten des Investiturstreites (1075 - 1122), um als Parteigänger Kaiser Heinrichs IV. Freiheiten gegenüber der Stadtherrschaft der Bischöfe zu erlangen. Verschiedene kaiserl. Privilegien (1156, 1184, 1273) festigten die Unabhängigkeit der Bürgerschaft und begründeten die Reichsunmittelbarkeit der Stadt. 1254 gründete Worms zusammen mit Mainz und Speyer den Rheinischen Städtebund zur Sicherung des Handelsverkehrs gegen Fürsten und Ritterschaft. Als eines der bedeutendsten polit. Zentren des dt. MA. sah die Stadt zwischen dem 8. und dem 16. Jh. mehr als 100 Reichs- und Fürstentage, auf deren wichtigstem (1122) der Investiturstreit beigelegt wurde.
Aus der Blütezeit der Stadt stammen: der spätroman. Dom St. Peter (der zwischen 1171 und 1230 über den Grundmauern einer röm. Basilika und einer merowingischen Bischofskirche errichtet, und später mit einigen gotischen Umbauten versehen wurde); die Pauluskirche (11. -13. Jh., zwei Rundtürme, roman. Vorhalle und Chor); die Andreaskirche (Pfeilerbasilika, 11. - 13. Jh.); die Martinskirche (roman. Basilika, 1265 geweiht); die Liebfrauenkirche (got. Stiftskirche in den Weingärten der „Liebfrauenmilch“, 14./15. Jh., erbaut über einem uralten Vorgängerbau auf einem röm. Friedhof); die Magnuskirche (karoling. Einraumkirche, roman. und got. Erweiterungen); ferner Reste der Stadtbefestigung, der Alte Judenfriedhof, die Synagoge und das Frauenbad (Mikwe). Der Wormser Dom gilt als Hauptwerk der rheinischen Romanik. Er ist als doppelchörige Pfeilerbasilika angelegt, mit je zwei schlanken Rundtürmen an jedem Chor uns je einem achteckigen Turm über Ostvierung und Westchor. Er ist reich mit roman. und got. Bildwerken und Wandmalereien ausgestattet. Die Weihe erfolgte 1181, der Westbau wurde 1234 vollendet. Eine von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) gestiftete Reliquie des hl. Nikolaus hat die Kathedrale zu einem vielbesuchten Pilgerziel gemacht.