Zaunrübe

Aus Mittelalter-Lexikon
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Zaunrübe (zu mhd. zun, zoun = Abgrenzung, Zaun; wiss. Bryonia dioica; volkstüml. Gicht-, Hunds-, Feuer- Teufels-, Tollrübe, Sauwurz, Zaunranke; hier: die Unterart der „Rotfrüchtigen Z.“). Zweihäusige Schlingpflanze aus der Familie des Kürbisgewächse, mit rübenartig angeschwollenem, mehrjährigen Wurzelstock, efeuähnlichen Blättern, weißlichen Blüten, rankenartig an Zäunen oder Buschzweigen wucherndem schnellwüchsigen Stängel, sowie in der Reifezeit bei weiblichen Pflanzen erbsengroßen scharlachroten Beeren, die scharf bitter schmecken. - Ursprünglich in Südeuropa beheimatet, wurde sie in ganz Mitteleuropa eingebürgert.
Wichtige Inhaltsstoffe des scharfen Milchsaftes, der Beeren, der Samen und der Wurzel sind Alkaloide (Bryonicin), Glykoside, Bitter- und Gerbstoffe, Saponine. Aufgrund dieser Stoffe konnte die Z. Heilwirkungen durch örtliche Durchblutungssteigerung und Gewebereizung, bei hoher Dosierung bzw. bei Hautkontakt Vergiftungserscheinungen bewirken (Erregungszustände, Krämpfe, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu blutigem Durchfall und zum Tod durch Atemlähmung bzw. zu Haut- und Organnekrosen).
Als Droge wurde die Z. seit alters verwendet. Antike Autoren erwähnen sie als Mittel zur Enthaarung, als Abortivum und als Heilmittel bei Rheuma, Epilepsie und Schwindel. – Hildegard v. Bingen verschreibt sie in einem Rezept zusammen mit Salbei und Raute gegen Leibschmerz. Um Trunkenheit zu vertreiben, empfiehlt sie, dem Betroffenen eine Z.-Ranke samt Blättern um Stirn, Schläfen und Hals zu winden. Gegen Fußgeschwüre lässt sie gekochte Wurzelscheiben auflegen.
In der Volksmedizin wurde sie wegen ihrer drastisch abführenden und brechreizerregenden Wirkung, sowie als Mittel gegen Gicht verwendet.
Im Aberglauben galten Scheiben der Wurzel oder Stücke der Ranke als Liebesmittel, die heimlich der begehrten Person zugesteckt wurden.
Die Wurzel der Z. wurde im MA. oft ähnlich jener der seltenen Alraune zurechtgeschnitzt, um damit betrügerische Geschäfte zu machen.