Abendmahl

Aus Mittelalter-Lexikon
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Abendmahl, heiliges (kirchenlat. Kommunion = Gemeinschaftsmahl, v. lat. communio = Gemeinschaft). Nach alttestamentl. Brauch wurde in der Nacht vor dem Passahfest ein gemeinsames Mahl eingenommen, das zur Erinnerung an die Befreiung des jüd. Volkes aus der ägypt. Gefangenschaft gestiftet worden war und aus Brot, Wein und dem Fleisch von Lamm oder Zicklein bestand. Zum Gedächtnis des letzten Abendmahles, das Jesus kurz vor seiner Gefangennahme mit seinen Jüngern feierte, ging die Abendmahlszeremonie als gemeinschaftsstärkender Höhepunkt („Kommunion“) in den Gottesdienst ein. In der abendländischen Christenheit wurde heftig über die Auffassung der „Wandlung“ gestritten, der Verwandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut. Um die Mitte des 9. Jh. standen sich die augustinische Auffassung von der Zeichenhaftigkeit des Sakraments und die Auffassung von der tatsächlichen Inkarnation Christi gegenüber. Im 11. Jh. nahm man Anstoß an der Tatsache, dass der in der ® Hostie in Realpräsenz enthaltene Christus „von den Zähnen der Gläubigen zermalmt“ und dem Verdauungsprozess unterworfen würde. Die „realistische“ Auffassung von der substanzhaften Wandlung (Transubstantiation) setzte sich durch, der anstößigen Vorstellung einer Vermengung von Göttlichem und Profanem beim Verzehr begegnete man mit Reinigungsriten (Fasten, Gebetsformeln).
War das hl. Abendmahl den Laien ursprünglich „unter beiderlei Gestalt“ – also als Brot und Wein – gespendet worden, so ging man vom 12. Jh. an zur Kommunion unter einer Gestalt (Hostien-Kommunion) über. (Priester zelebrierten unter ihresgleichen die Eucharistie weiterhin unter beiden Gestalten.) Die Neuordnung geschah vor allem unter dem Einfluss der Lehre von Alexander von Hales, wonach der ganze Christus in jeder der beiden „species“ anwesend ist. Weitere Festigung erhielt die Spendung des Sakraments unter einer Gestalt durch die Dogmatisierung der Transsubstantiationslehre auf dem IV. Laterankonzil (1215).
(s. vasa sacra)