Alaun

Aus Mittelalter-Lexikon
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Alaun (mhd. alun; v. lat. alumen; ahd. beiza, beizistein). Das bittere Tonerdesalz Alunit(Alaunstein; chem. Kalium-Aluminum-Sulfat oder Mischungen aus mehreren Sulfaten) hat adstringierende und beizende Wirkung und einen eigentümlichen, anfangs süßlichen, später herb-zusammenziehenden Geschmack.
Zur Herstellung des Salzes wurde alaunhaltiges Gestein geröstet und mit heißem Wasser ausgelaugt. Beim Erkalten oder Eindampfen der Lösung setzte sich kristallines Alaun ab. Es diente als Arzneimittel (mit zusammenziehender, blutstillender, ätzender, entzündungswidriger und empfängnisverhütender Wirkung), als Hilfsstoff beim Färben und Gerben, beim Entfetten der Wolle, als Flussmittel beim Löten sowie als Bleichmittel bei der Papierfabrikation, und war daher ein begehrtes Handelsgut. Es wurde aus dem kleinasiatischen Phokäa und aus Alexandrien eingeführt. Zu einem Versorgungsengpass kam es, als die Osmanen die Kontrolle über die kleinasiat. Vorkommen gewannen. Erst die Entdeckung der Alaunlager bei Monterotondo (in der Toskana) im 13. Jh. und bei Tolfa im Kirchenstaat (wo Alaun durch Aussieden von Alaunschiefer gewonnen wurde) im 15. Jh. konnte den Mangel beheben. Das Monopol auf "Alumen Romanum" brachte unter Pius II. (1458 - 64) jährlich über 100.000 Fl. in die päpstl. Kassen. 1470 lagerten in Venedig 20.000, in Brügge 70.000 Ztr. Alaun. (In Deutschland wurde Alaunabbau erst vom 16. Jh. an im Raum Merseburg betrieben.)
Die Anwendungen in der Volksmedizin waren die gleichen wie in der gelehrten Medizin. Im Aberglauben galt ein mit Alaun gefülltes Amulettsäckchen als Abwehrmittel gegen "Rose" (Erysipel; rötliche Hautflecken).
(s. Färben, Gerben)