Almagest

Aus Mittelalter-Lexikon
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Almagest (seit dem HMA. gebräuchliche, von dem arab. Al-Magisti hergeleitete Bezeichnung für die große astronom. Abhandlung des alexandrinischen Astrologen Klaudios Ptolemaios "Megisté syntaxis" = "Größte Zusammenstellung", entstanden um 140 n. Chr., im 9. Jh. ins Arabische und im 12. Jh. – 1160 aus dem Griechischen, 1175 in Toledo von ®Gerhard von Cremona aus dem Arabischen – ins Lateinische übersetzt). Der Almagest enthält das ptolemaeische geozentrische Weltbild in 13 Teilen. Teil I. handelt von der Natur des Universums und stellt die trigonometrischen Lehren vor; Teil II. behandelt grundlegende Aspekte der sphärischen Astronomie, wie Polhöhe, Aufgangszeiten, Tageslängen. Teil III. hat die Bewegung der Sonne zum Inhalt, Teile IV. und V. handeln von der Theorie des Mondes. Im VI. Teil wird – gestützt auf die in den vorangehenden drei Teilen enthaltenen Tafeln – die Lehre von den Sonnen- und Mondfinsternissen dargestellt. Die Teile VII. und VIII. handeln von den Fixsternen. Besonders der Fixsternkatalog – enthaltend 1025 in 48 Konstellationen eingeteilte Sterne, aufgelistet nach deren ekliptischen Koordinaten und Größe – war Voraussetzung für die Festlegung der Planetenpositionen. Die Teile IX. bis XIII. behandeln die Planetentheorie. Die Reihenfolge ist dabei mit Mond-Merkur-Venus-Sonne-Mars-Jupiter-Saturn angegeben. Zur Erklärung der Bahnanomalien entwirft Ptolemaeus die Theorie der Epizyklen (s. Astronomie). Es wird angenommen, dass der Almagest Weltbild und Forschung des MA. in einem Maße bestimmt hat wie kein anderes Werk der Antike. Auf seiner Grundlage entstanden die ®Alfonsinischen Tafeln; auf 20 - 40 Sterne gekürzte Fassungen wurden als "Sterntafeln" zur Arbeit mit dem ®Astrolab benutzt. Er sollte seine Bedeutung erst mit der kopernikanischen Wende verlieren (1543: "De revolutionibus").