Ameisennaht

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ameisennaht. Zur Versorgung von perforierenden Darmwunden oder zur Vereinigung der Stümpfe einer durchtrennten Darmpartie (lat. sutura intestinorum) empfahl der arab. Arzt Abulcasis (10. Jh.) eine Nahttechnik mittels schwarzer Ameisen: „Hole Ameisen mit großen Köpfen, bringe die beiden Wundlippen zusammen, und setze eine Ameise mit offenem Mund (i.e. mit gespreizten Maxillen) darauf. Wenn die Ameise hängen bleibt und ihren Mund geschlossen hat, so schneide ihren Kopf ab. Dieser bleibt dann hängen, und der Mund öffnet sich nicht mehr. Darauf bringe eine andere Ameise in der Nähe der ersten an, und mache so weiter, je nach Länge der Wunde. Alsdann bringe den Darm zurück, und nähe die Bauchwunde zu; denn die Ameisenköpfe bleiben am Darme hängen, bis die Wunde geheilt ist, und sie bringen dem Patienten überhaupt keinen Schaden.“ (Zit. bei Schipperges)
Ungeklärt ist, ob diese „Ameisennaht“ in praxi verwendet worden ist oder nur eine fiktionale Erwägung war. Sie soll im Abendland u.a. von den Ärzten Bruno von Longoborgo (13. Jh.) und Mondino dei Lucci (13./14.Jh.) angewandt worden sein, während sie von anderen Chirurgen wie z.B. ®Teodorico Borgognoni (13. Jh.) oder Berengario da Carpi (15./16. Jh.) abgelehnt wurde. (nach M. F. Flury, med. Dissertation Würzburg, 2002.)
Mit „schwarzer Ameise“ dürfte die schwarze Wegameise (Lasius niger) gemeint gewesen sein, die in Asien, Afrika, Europa (und Nordamerika) verbreitet ist. Der Nachteil ihrer Verwendung zu Darmnähten dürfte u.a. darin bestanden haben, dass die Spannung ihrer Zangen/Maxillen nach ihrem Tod nachlässt und dass sie während des Winters nicht verfügar ist.