Armutsstreit

Aus Mittelalter-Lexikon
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Armutsstreit. Darunter ist die theologische Streitfrage zu verstehen, ob Christus und die Apostel ohne Besitztümer gewesen seien. Im 13. Jh., als die römische Kirche immer größere Reichtümer ansammelte und ihren Mammonismus ungeniert auslebte, erstanden unter Laien und unter Geistlichen Gegenbewegungen, die dem Ideal der Besitzlosigkeit als Voraussetzung für den Zugang zum ewigen Heil anhingen. Die etablierte Geistlichkeit – Papst, Prälaten und reich gewordene Mönchsgemeinschaften –, die ihren Besitzstand gefährdet sah, suchte zu belegen, dass Jesus Eigentum besessen habe. Der äußerst erbittert geführte Streit führte 1323 zu der Bulle „Cum inter nonnullos“, in der Papst Johann XXII. die Meinung, Christus und die Apostel hätten völlig besitzlos gelebt, zur Häresie erklärte. Diejenigen, die von der radikalen Armutsforderung nicht abließen, vor allem die sog. Spiritualen (s. Franziskaner) in Italien und Südfrankreich, wurden durch die Inquisition verfolgt und als Häretiker verbrannt.
(s. Beg(h)arden, Bettelorden, Katharismus, Petrus Johannes Olivi)