Bühnendekoration

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bühnendekoration. Die ma. Schauspielbühne musste von allen, mindestens aber von drei Seiten aus einsehbar sein. Somit verboten sich feste Kulissen von selbst. Innenräume wurden durch vier Eckpfosten markiert, waren wandlose Spielräume, die vom nächsten durch einen Zwischenraum deutlich abgegrenzt waren. Versatzstücke kamen mit zunehmender Häufigkeit in Gebrauch und wurden immer realistischer. Hatte im fma. Kirchenraumspiel noch der erzählerische Appell an die Phantasie der Zuschauer gereicht, um räumliche Gegebenheiten in der Vorstellung plastisch entstehen zu lassen, so wurden vom HMA. an zunehmend wirklichkeitsnahe Requisiten, auch technische Tricks verwendet, um ein skeptischer gewordenes Publikum zu überzeugen (s. Bühnentechnik). Für die mehrtägigen Passionsspiele der Spätgotik wurden mit dem Fortgang der Handlung die Bühnendekorationen immer wieder umgewidmet: aus dem Paradies wurde tags darauf der Garten Gethsemane, aus dem Berg Sinai wurde der Ölberg oder aus dem Baum des Zachäus der Baum des Judas. Versatzstücke wie Bäume, Büsche, Altäre, Felsen, Grabstätten usf. waren realistisch dargestellt, für noch größere optische Überzeugung sorgten mechanische Tricks, durch die sich etwa die Felsen spalteten, die Gräber oder der Höllenrachen öffneten oder der bethlehemitische Stern über der Geburtsszene erschien.