Bernardus Silvestris

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bernardus Silvestris (Bernardus Turensis, 1085 – 1160). Wahrscheinlich aus Tours gebürtiger Schüler und Lehrer, Gelehrter und Dichter an der Kathedralschule von Chartres. Sein bekanntestes Werk ist die „Cosmographia“ ("De mundi universitate sive megacosmus et microcosmus"), eine abwechselnd in lat. Prosa und Reimen (prosimetrisch) gehaltene Allegorie der allumfassenden Einheit aus Universum (Megacosmus/Makrokosmos) und Menschheit (Microcosmus/Mikrokosmos), 1147 fertiggestellt und Papst Eugen III. gewidmet, der sie während einer Frankreichreise zur Kenntnis nahm. Die Cosmographia ist vom Platonismus geprägt, der zu dieser Zeit an der Schule von Chartres die Philosophie bestimmte. Von maßgeblichem Einfluss waren der biblische Schöpfungsbericht und Platons „Timaios“ (eine Darstellung der Erschaffung der Welt und der Schöpfung der Weltseele), die er zu einem mytho-poetischen Schöpfungsbericht verschmolz. Bernard setzt die kosmische Ordnung in Gegensatz zur irdischen Wirrsal seiner Zeit.
Ein weiteres gereimtes Werk zur Naturphilosophie ist der „Mathematicus“ (854 Verse), in dem Bernardus zur Problematik des ® Astralfatalismus Stellung nimmt.