Biel, Gabriel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Biel, Gabriel (G. Byhel, G. Spirensis; um 1410 - 1495). Spätscholast. Theologe und Philosoph, ausgebildet in Heidelberg zum magister artium und in Erfurt zum licentiatus theologiae. Als Domprediger in Mainz stand er in der Bistumsfehde auf der Seite der päpstl. Partei und verfasste in diesem Sinne das "Defensorium oboedientiae apostolicae". 1468 trat er den ®Brüdern vom gemeinsamen Leben im Stift Marienthal bei und wurde bald darauf Propst von St. Markus in Butzbach. 1469 wurde er Propst des von Graf Eberhard mit dem Barte gegründeten Stifts Urach und 1484 Professor an der Universität Tübingen. Von 1492 bis zu seinem Tod stand er dem neugegründeten Stift St. Peter in Einsiedel bei Tübingen vor. Er vertrat in seinem Sentenzenkommentar "Collectorium sive Epitoma super libros IV. Sententiarum" die nominalistische Lehrmeinung des ®William von Ockham. In seiner "Canonis Missae Expositio" beklagt er die Verehrung falscher oder nicht ausreichend legitimierter Heiliger. Zur Theorie des Geldes schrieb er den Traktat "De potentia et utilitate monetarum" (über Macht und Nutzen des Geldes), worin der Preis als Resultante aus Angebot und Nachfrage dargestellt ist.