Bildstickerei

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bildstickerei (v. mhd. sticken = heften, stecken, sticken). Neben der Bildwirkerei (s. Bildteppiche) gab es als weitere Form der Textilkunst die Nadelstickerei (s. Stickerei), die mit bunter Wolle, Seide oder Fäden aus Edelmetall auf Leinwand oder anderen textilen Geweben aufgebracht wurde. Als Glanzlichter wurden echte Perlen, solche aus Glas oder Bernstein, sowie Edelsteine aufgenäht. Die Stickkunst römischer Tradition wurde zunächst in den Klöstern weitergepflegt, war doch Bildstickerei besonders bei liturgischen Gewändern und Tüchern verbreitet; es wurden jedoch auch bedeutende Werke nicht-religiösen Inhalts angefertigt. Seit dem 14. Jh. wurden Stickarbeiten in unübersehbarer Menge gefertigt und fanden auch in der Mode vielfache Anwendung. Beispiele: Die mit Gold und Seide bestickten Mäntel des Bamberger Domschatzes (Sternenmantel, Mantel der Kunigunde; 1. Hälfte 11. Jh); der ® Teppich von Bayeux (ca. 50 cm hoch und 70 m lang; er war ursprünglich noch länger und schildert den Eroberungszug Herzog Wilhelms von der Normandie gegen England; um 1066 - 77); das Antependium mit dem Arbor Vitae (oberrhein., Kathedralschatz von Anagni; um 1300); der Tristanteppich im Kloster Wienhausen bei Celle (14. Jh.); der Hildesheimer Chormantel (Victoria und Albert Museum, London; um 1300); der Messornat des Ordens vom Goldenen Vließ (burgundisch, Kunsthistorisches Museum Wien; 1. Hälfte 15. Jh.).