Bildzauber

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bildzauber (mlat. invultuatio). Auf alte ägypt. und röm. Zauberpraktiken zurückgehende Methode, die sich zum fernwirksamen Liebes- oder Todeszauber oder auch zum Auffinden eines verborgenen Schatzes des wächsernen Abbildes der Zielperson oder -sache bediente. Dem lag die Vorstellung zugrunde, dass zwischen dem plastischen Abbild einer Person/Sache und dieser selbst sympathetische Beziehungen bestünden. Der Umgang mit den Wachsmodellen (Atzmänner, Atzelmänner, imagines cereas) geschah auf verschiedene Weise: einmal wurde es unter der Türschwelle einer spröden Frau gelegt, zu anderen Zwecken mit Nadeln durchbohrt, in den Wind gehängt, auf den Altar gestellt oder im Feuer verbrannt (s. Rachepuppe). Zur Erhöhung der magischen Wirkung wurden dem Wachs bestimmte Ingredienzien beigemischt: Blut, Speichel, Haare oder Nägel der Zielperson, auch Krötenblut u.a.m. Außerdem wurden magische Beschwörungsformeln hergesagt und astrolog. Gegebenheiten beachtet. Hinweise auf Bildzauber, die wohl verbreitetste Form der Zauberei der Zeit, finden sich in der Bulle „Super illius specula“ (1326; Johannes XXII.), im „Puoch aller verpoten Kunst“ (1455; s. Hartlieb), im Hexenhammer (1486) und in vielen Chroniken und Prozessakten des 14./15. Jh. Die Herstellung von imagines galt im Kirchenrecht als Idolatrie (Götzendienst) und wurde von den weltl. Gerichten als Maleficium mit Körperstrafen, Kerkerhaft oder der Todesstrafe geahndet.
(s. Atzman)