Blasmühlen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Blasmühlen. Die Erfindung der Nockenwelle hatte die Einrichtung von tretrad- und wasserradgetriebenen Blasebälgen (fabricae pedales, molendinae ferrariae; Blasmühlen) zur Eisengewinnung und -verarbeitung (®Gusseisen) möglich gemacht, welche die gewünschten höheren Temperaturen von etwa 1250° C erbrachten. Der lange Daumen der ®Nockenwelle hob beim Umlauf direkt oder über ein Gestänge das Deckbrett eines Blasebalgs an, wodurch Luft eingesaugt wurde. Nachdem sich der Daumen weitergedreht und das beschwerte Deckbrett freigegeben hatte, fiel dieses in die Ruhelage zurück, und presste dabei die angesaugte Luft ("Wind") durch eine Düse ("Nase") ins Schmelzfeuer. Gelegentlich wurden von einer Welle auch zwei Blasebälge angetrieben, die abwechselnd in den gleichen Ofen oder in zwei Öfen bliesen. Ein Gebläse dieser Art ist durch eine Urkunde von 1214 belegt. Wohl die älteste Erwähnung wasserkraftgetriebener Blasebälge stammt vom Jahr 1197 aus dem Zisterzienserkloster Sorö auf Seeland. Im 14. Jh. finden sich solche in der Oberpfalz, der Steiermark und im Sauerland. Wo Blasebälge für die Schmiedeöfen von Hammermühlen betrieben wurden, hatten sie meist ein eigenes, unterschlächtiges Wasserrad, das dem oberschlächtigen Rad des Hammerwerks im Mühlkanal nachgeschaltet war.