Burse

Aus Mittelalter-Lexikon
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Burse (mlat. bursa, urspr. = Beutel, später = Kasse, Geldbörse; mhd. bursa studiorum = Studentengemeinschaft, Studentenheim; v. grch. byrsa = Fell). Für arme Scholaren wurden durch wohltätige Stiftungen Kollegienhäuser, sogenannte Bursen eingerichtet, die Kost und Unterkunft boten. Daneben gab es private Bursen, die gegen wöchentlich zu entrichtende Gebühr solventere Scholaren aufnahmen. Nach dem Namen eines solchen Studentenheims (bursa, burse) wurden die Bewohner bursales oder bursarii (auch domicelli oder stipendiati) genannt, woraus sich später im Deutschen die Bezeichnung "Bursch" für "Student" herleitete. In allen Bursen bestand kasernenmäßige Zucht, die Einhaltung der Hausordnung wurde vom Magister regens überwacht. In Privatbursen wurden die niederen Dienste wie Saubermachen, Aufwaschen, Zutragen usf. von ®famulis besorgt. Ordnungswidrigkeiten wurden mit Prügeln, Kostentzug, Geldstrafen, Karzer oder Ausschluss bestraft. Die Verköstigung hat man sich, auch in privaten Bursen, bescheiden bis erbärmlich vorzustellen. Mus, Grütze, Rüben, Kohl, Käse und gekochtes Fleisch bildeten, von hohen Festtagen abgesehen, die täglichen Rationen. An vielen Bursen wurde ungenügend Vorgebildeten Unterricht in elementarer Grammatik angeboten, eine Einrichtung, aus der sich später mancherorts Gymnasien herleiten sollten.