Colmarer Liederhandschrift

Aus Mittelalter-Lexikon
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Colmarer Liederhandschrift. Die umfangreichste Sammlung von Meisterliedern des 14./15. Jh., heute im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek München, wurde nach ihrem früheren Aufbewahrungsort Colmar benannt. Dorthin hatte sie 1546 ein Georg Wickram gebracht, der Gründer einer Colmarer Meistersingerschule. Der Codex im Format 29,5 x 20 cm enthält 856 Papierblätter, deren Wasserzeichen die Entstehungszeit auf die Jahre um 1460 festlegen. Die Schreibsprache ist rheinfränkisch, doch machen sich auch Einflüsse anderer Provenienz bemerkbar. Die Colmarer LHS enthält 940 Lieder und vielstrophige Gedichte (insgesamt fast 4400 Strophen) in 107 Tönen sowie fünf geistl. Leichs. Die Eingangsstrophen jedes Tons und die Leichs sind mit Noten versehen. Am Anfang der LHS stehen die tönereichsten Autoren und diejenigen, deren Töne bei den Nachsängern am häufigsten verwendet wurden: Frauenlob, Regenbogen, der Marner, Konrad von Würzburg, Boppe. Zeitlich umfasst der Textbestand zweieinhalb Jh. Die Thematik ist vorrangig von geistl. Inhalten bestimmt, daneben von Kunsttheorie und dem Frauenpreis. Hinsichtlich der Melodien stellt die Colmarer LHS die wichtigste Quelle neben der Jenaer LHS dar.
(s. Liederhandschriften)