Liederhandschriften

Aus Mittelalter-Lexikon
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Liederhandschriften. Ma. handschriftliche Lyriksammlungen sind mit und ohne Notenschrift überliefert, enthalten anonyme Lieder, Lieder mehrerer benannter Dichter oder Lieder eines einzigen Dichters. Die anonyme lat. LHS ®"carmina Burana" aus der Mitte des 13. Jh. ist nur teilweise mit Neumen versehen. Um 1300 entstand in Konstanz die ®Weingartner Liederhandschrift, eine bildergeschmückte Sammlung von Minneliedern. Aus dem ausgehenden 14. Jh. stammen die ®Jenaer und die ®Colmarer Liederhandschrift mit Quadratnotation bzw. got. Neumenschrift, sowie die Kleine Heidelberger Liederhandschrift aus Straßburg. (Die Colmarer LHS gilt als älteste Sammlung von Meisterliedern; sie war ursprünglich im Besitz der Colmarer Schusterzunft und befindet sich heute in der Münchener Staatsbibliothek.) Reine Texthandschriften sind die Große Heidelberger Liederhandschrift (auch ®Manessische Liederhandschrift) aus dem 14. Jh. und das ®Lochamer Liederbuch (1452-60). Um 1454 entstand das Augsburger Liederbuch, zwischen 1460 und 1467 das Schedelsche (Münchener) Liederbuch des Hartmann Schedel in Nürnberg und Leipzig, 1471 das Liederbuch der Clara ®Hätzlerin. Weitere Sammlungen sind das ®Glogauer (Berliner) Liederbuch (etwa 1477 - 1488) und das Rostocker Liederbuch (etwa 1470 - 1480). In der 2. Hälfte des 15. Jh. entstanden die Riedsche LHS, die ausschließlich Lieder Neidharts von Reuental versammelt, sowie mehrere LHS mit Liedern Oswalds von Wolkenstein.
Melodien des deutschen Minnesangs sind häufig nur in überarbeiteten Fassungen der Meistersinger erhalten geblieben.