Flandern

Aus Mittelalter-Lexikon
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Flandern (fläm. Vlaanderen). Der Begriff "Flandern" kam schon in salisch-fränkischer Zeit auf, bedeutet "überschwemmtes Gebiet" und bezeichnete die Polder-Landschaft an der Nordseeküste um Brügge. (Heute tragen zwei belgische Provinzen den Namen: Ost- und Westflandern; darüber hinaus wird das ganze nördliche, flämisch-sprachige Belgien zu Flandern gerechnet, also die heutigen Provinzen Antwerpen, Limburg und Teile von Brabant.)
Die von den Römern im 4. Jh. hier angesiedelten Niederfranken (s. Salier) verdrängten die ortsansässigen keltisch-germanischen Stämme (Wallonen) und errichteten eine Anzahl von Stammesfürstentümern. Im 6. - 8. Jh. kamen große Landesteile in den Besitz von Klöstern, auf deren Arbeit die flandrische Schafzucht und das flandrische Tuchgewerbe zurückgehen. Im 9. Jh. wurde das Land durch wiederholte Raubzüge der Normannen geschwächt. Erst als aufgrund des Teilungsvertrags von Verdun (843) im westl Landesteil die Balduine als Statthalter des westfränkischen Königs herrschten, wurden die Normannen zurückgeschlagen und ein straffes Feudalsystem eingerichtet. 879 begründet Balduin II. die Grafschaft Flandern; daneben entstand das Herzogtum Brabant und die Grafschaft Limburg. Im 13. Jh. kam es nach stürmischem wirtschaftlichen Aufschwung zur Schwächung der Grafengewalt, zu Wirtschaftskrisen und zu Volksaufständen gegen das mächtig gewordene Patriziertum, in deren Verlauf die Patrizier Frankreich, die "Demokraten" England zu Hilfe riefen. 1302 besiegten in der "Schlacht der Goldenen Sporen" bei Kortrijk (Courtray) die Truppen der demokratisch geführten Städte, vor allem Brügges, ein frz. Ritterheer. Dabei sollen sie den Erschlagenen Rittern 700 vergoldete Sporen abgenommen haben. (Von daher Golden-Sporen-Schlacht, la bateille des éperons d´or). Nach erneuter Machtergreifung der Patrizier fielen auf deren Hilfeersuchen die frz. Truppen wieder in Flandern ein, und besiegten das Heer der englandfeundlichen, "demokratischen" Städte in der Schlacht von Cassel (1328). Nach dem Ausbruch des Hundertjährigen Krieges (1337) zwischen Frankreich und England kam es infolge der engl. Blockadepolitik zu einer schweren Wirtschaftskrise, auf deren Höhepunkt (1339) der Bürgermeister von Gent, Jakob von Artevelde, sich an die Spitze der Demokraten stellte, sich mit England verbündete und so die Aufhebung des Embargos erreichte. 1376 heiratete die Erbin des letzten Grafen von Flandern Ludwig den Kühnen von Burgund. Dieser schlug 1382 mit Hilfe seines Neffen, Karl VI. von Frankreich, das Heer der Städte bei Roosebeke, und verleibte Flandern seinem Herzogtum Burgund ein. 1482 wurde Flandern durch die Heirat der Maria von Burgund mit Maximilian von Österreich dem Hause Habsburg lehenspflichtig.
(s. Seeschlacht von Sluis)