Frauenfeindlichkeit

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Frauenfeindlichkeit (Misogynie). Von Anfang an war die Einstellung der Kirche Frauen gegenüber restriktiv bis krass feindschaftlich – ganz im Gegensatz zur Haltung des Jesus von Nazareth, auf den sie sich berief. Diese Grundhaltung findet sich im AT, bei Paulus, Tertullian, Origines, Ambrosius, Hieronymus ebenso wie bei Augustinus und Thomas von Aquin. Ihnen eiferten ungezählte Prediger nach, welche die ihnen aufgezwungene Keuschheit permanenten Angriffen durch die satanischen Verführungskünste der Frau ausgesetzt sahen. Sie wetterten gegen Lasterhaftigkeit, Untreue, Lügenhaftigkeit, Eitelkeit, Geschwätzigkeit, Gefall-, Herrsch- und Verschwendungssucht der Frauen, prangerten deren Prädestination zum Bösen an und ihre Verführbarkeit durch den Satan. Auf diese Weise in den Ruch der Gottes- und Menschen- (d.i. Männer-)feindschaft gebracht, wurde die Frau Teil der kollektiven Ängste der Zeit. Einmal derart als „Mutter der Sünde“ und „Waffe des Teufels“ diffamiert, wurde sie umso leichter zum Opfer von Verleumdern und Hexenjägern.
"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen." (Kirchenvater Augustinus, hl., 354-430)
Aus einem Traktat des Kluniazenser-Mönches Bernard de Molas (12. Jh.): „Die schändliche Frau, die heimtückische Frau, die feige Frau... Besudelt Reines, brütet Gottloses aus, verdirbt die Taten... Voller Lust denkt jede Frau an die Sünde und begeht sie... Die Frau ist vom Schlechten, und es gibt fast keine, die gut ist... Sie ist ein fürchterlicher Abgrund, die schlimmste der Schlangen, ein schönes Aas... Heimtückische Frau, abscheuliche Frau, ekelerregende Frau... Sie ist der Thronsessel Satans...flieh sie, Leser!“ Dass aus der Feder dieses wütenden Frauenfeindes auch erbaulicher Marienpreis stammt, ist kein Widerspruch: Je höher man Maria in himmlische Sphären hinauflobte, in desto verachtenswertere Niederungen konnte man die anderen Evastöchter verstoßen – Märtyrerinnen und heilige Jungfrauen ausgenommen.
Vinzenz von Beauvais (1187-1264) stellt in lapidarer Kürze fest: "Omnia mala ex mulieribus" (Alles Böse stammt von der Frau").
Als verdienstvoll, vorbildlich und als Ausweis besonderer Heiligkeit galt es, nach dem Vorbild des hl. Nikolaus von Myra Frauen wie die Pest zu meiden: "... beatus Nicolaus qui mulieres quasi pestem fugiebat" (aus einer Sittenpredigt des Franziskanergenerals und Kardinals Bonaventura, 1217-74).
"Die Frau ist ein Mißgriff der Natur... mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuß und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger...eine Art verstümmelter, verfehlter, mißlungener Mann...die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann." (Thomas von Aquin, hl., Kirchenlehrer, 1225-1274)
Dem sma. „Hexenhammer“ war daran gelegen, alle Frauen als potentielle Hexen darzustellen. Jedes Weib habe von Natur her die Anlage zum Bösen, also auch zur Hexerei: Weiber seien „in allen Kräften, der Seele wie des Leibes, mangelhaft“, was sie auch tun, es geschähe „aus fleischlicher Begierde“, sie seien unersättlich, verlogen, täuschten immer, wären „nur ein unvollkommenes Tier“. Dass Frauen von Natur geringerer Glaubensfestigkeit sind, belege die Herleitung des lat. Wortes für Frau (femina) aus fe (=fides, Glaube) und minus (= weniger). Eine kollektive Auflehnung im Sinne des modernen Feminismus konnte es im MA. nicht geben – zu sehr hatte der weibliche Teil der Gesellschaft die Superiorität deren männlichen Teils internalisiert. Andererseits konnte die Diffamierung der weiblichen Hälfte der Christenheit nicht unwidersprochen bleiben. Der Franziskanerprediger Berthold von Regensburg (13. Jh.) etwa, der zwar die Eitelkeit, Zanksucht und Geschwätzigkeit vieler Frauen geißelte, gestand ihnen aber generell ein gütigeres Herz zu als den Männern, hielt sie für die besseren Christen und konstatierte, dass von ihnen weit mehr in den Himmel kämen als von den Männern.
Von der verbreiteten Meinung, dass die Frau ein defekter Mann sei und demnach folgerichtig in männlichem Geschlecht wiederauferstehen werde, zeugt der Widerspruch des Bischofs Otto von Freising: "Jene Leiber werden also von Fehlern befreit sein , ihre natürliche Beschaffenheit aber bleibt ihnen erhalten. Das weibliche Geschlecht aber ist kein Fehler, sondern eine natürliche Beschaffenheit." (Zit. N. Ohler)
Davon, dass auch Frauen abschätzig über ihre Geschlechtsgenossinen urteilen, zeugen Schriften der Hildegard von Bingen: "So wie jede Kreatur zu Gott hochschaut, so schaut auch die Frau zum Manne hin, um seine Befehle auszuführen, und wie sie ihm gefallen könne" (De operatione Dei I, 4, 64). - Wie vor Gott, "so soll sie auch vor ihrem Mann Furcht haben. Es ist daher richtig, dass die Frau stets voller Furcht sei" (Liber vitae meritorum, I, 83, 96). (Zitate bei P. Dinzelbacher)
(s. Frau, Geschlechtsdetermination)