Geschlechtsdetermination

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Geschlechtsdetermination (Festlegung der Unterschiede zwischen Mann und Frau während der Emryonalentwicklung). Ma. Gelehrte wie Albertus Magnus oder Thomas von Aquin standen hinsichtlich der Vorstellungen über Zeugung, Geschlechtsdetermination und geschlechtsspezifische Prägung des Menschen in der Tradition antiker Theoretiker (Hippokrates, Aristoteles, Empedokles, Galenus).
Nach einer Theorie des Empedokles ist die Temperatur der Gebärmutter maßgeblich für das Geschlecht des werdenden Menschen: ein warmer Uterus bringe männliche, ein kalter weibliche Nachkommen hervor. Andere lehrten, dass die „dicke“ oder „dünne“ Beschaffenheit des männlichen Samens ausschlaggebend für das Geschlecht des werdenden Menschen sei. Wieder andere meinten, dass im rechten Uterushorn Knaben, im linken Mädchen entstünden oder dass es darauf ankomme, aus welchem der Hoden sich der Same entleere: Same vom rechten Hoden erzeuge männliche, solcher vom linken Hoden weibliche Nachkommen. Mädchen mit männlichen Zügen kämen zustande, wenn „weiblicher“ Same in die rechte Uterushälfte gelange und umgekehrt: Knaben mit weiblichen Zügen entstünden aus „männlichem“ Samen in der linken Uterushälfte. Die sog. „Pangenesis-Lehre“ dagegen geht von der Gleichwertigkeit der elterlichen Zeugungsstoffe aus; das Geschlecht des Nachwuchses wird von demjenigen Elternteil bestimmt, dessen Keimgut mengenmäßig überwiegt. Nach Aristoteles trage der männliche, aus der Nahrung „gekochte“ Samen das formgebende Prinzip in sich, während die Frau nicht imstande sei, ihren Samen gar zu kochen und nur den zu formenden Stoff bereitstelle. Die Frau sei also ein defizitäres Wesen, quasi ein zeugungsunfähiger Mann, aufgrund der Kälte ihrer Natur nicht fähig, ihren Samen gar zu kochen; ihre Artabweichung sei jedoch eine Notwendigkeit für die Erhaltung der Spezies Mensch und entstünde immer dann, wenn der männliche Samen verderbt sei und ihm die nötige Wärme fehle, um den Samen gar zu kochen.
Die misogyne Theorie vom Zustandekommen des Weiblichen durch einen Mangel wird sowohl von Albertus Magnus als auch von Thomas von Aquin vertreten. Damit ließ sich auch eine natürliche Überlegenheit des Mannes begründen sowie die Forderung nach der Unterwerfung der Frau unter die Herrschaft des Mannes.
Der Theologe Thomas von Aquin diskutiert in seiner "Summa Theologica" (Supplement, Quaestio 81, Articulus 3) die Frage, ob alle Menschen nach der Auferstehung das männliche Geschlecht haben würden. Nachdem im Epheserbrief (4, 13) stünde, "dass wir alle zu einem vollkommenen Mann werden", schloss er auf eine Geschlechtsumwandlung bei der Auferstehung - "also wird es dort nur das männliche Geschlecht geben". Dabei ließ er die These des hl. Augustinus außer Acht (Gottesstaat 22,17): "Außerdem wird Gott bei der Auferstehung das wiederherstellen, was er hinsichtlich des Menschen am Anbeginn erschuf. ... Also wird er bei der Auferstehung das weibliche Geschlecht wiederherstellen." (Zit. nach P. Dinzelbacher)
(s. Frau, Frauenfeindlichkeit, Mann, Sexualität)