Glasmacher

Aus Mittelalter-Lexikon
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Glasmacher (lat. vitriarii, vitri factores) betrieben in abgelegenen Glashütten unter der Leitung eines Hüttenmeisters das Handwerk der ®Glasherstellung. Der Hüttenmeister war zuständig für den Bau der Ofenanlage und der Schmelzhäfen, für die Beschaffung der Quarzsande, der kalkhaltigen Beischlagstoffe (Kalkstein, Kreide, Muschelschalen), der Pflanzenasche bzw. der ®Pottasche und des Heizmaterials sowie für den Vertrieb der Fertigware. Für die verschiedenen Arbeitsprozesse und Glasarten gab es spezialisierte Glasmacher, denen wiederum Hilfskräfte (Zureicher, Schürer, Quarzpocher, Köhler) zur Seite standen. Glasmacherei war anfänglich von Eigenleuten der Klöster (Glasbauern) betrieben worden, während die Glasverarbeitung von Mönchshandwerkern und -künstlern der Klosterwerkstätten besorgt wurde. Üblicherweise waren ma. Glashütten Familienbetriebe, in denen handwerkliche Fertigkeiten und Werksgeheimnisse von Generation an Generation weitergegeben wurden. Im 14. Jh. ist der städtische Berufszweig der ®Glaser belegt (Nürnberg, 1363), zu Beginn des 15. Jh. entstanden Glasmacherzünfte (z.B. im Spessart, 1406). Die große Nachfrage nach Gebrauchsglas hob den wirtschaftlichen und rechtlichen Status der Glasmacher auf das Niveau dessen der Bergleute und Salzsieder – also deutlich über den der bäuerlichen und in mancher Hinsicht auch über den der städtischen Bevölkerung.
Das Glasmacherhandwerk war wegen der großen Hitze und den extremen Temperaturschwankungen vor den Öfen, wegen der häufigen Lungenüberblähung und wegen der aggressiven Stäube äußerst gesundheitsschädlich. Charakteristische Berufsschäden waren Blindheit, Lungenemphysem und ®Steinstaublunge (Silikose).