Glasmalerei

Aus Mittelalter-Lexikon
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Glasmalerei. Unter Glasmalerei sei hier die monumentale Kunst der Bildfenster ma. Kirchen verstanden. Die Elemente der Glasmalerei – Glas, Farbe und Bleinetz – verschmelzen ihre funktionellen und ästhetischen Eigenschaften in stets ähnlicher, technikbedingter Weise, nur die Formensprache ändert sich.
Der Vitriarius in der Klosterwerkstätte, später in der Bauhütte der jeweiligen Kirche, zeichnete den Entwurf eines Glasfensters auf eine geweißte Holztafel, indem er die Linien des Bleinetzes einritzte (Riss). Spätere Entwürfe entstanden auch auf Pergament und Papier. Nach der Vorgabe des Entwurfs wurden die Gläser zurechtgebrochen: der Handwerker riss die Konturlinie mit einem glühenden Eisen an, und sprengte die überstehenden Grate mit dem Kröseleisen ab. Die Bemalung der Gläser war der nächste Schritt. Dabei wurden die Umrisse der Figuren, soweit sie nicht schon durch das Bleinetz festgelegt waren, sowie deren plastische Ausformung dargestellt. Als Malfarbe diente "Schwarzlot", pulverisiertes Blau- und Grünglas, dem Kupferoxid- oder Eisenoxidpulver beigemengt war; als Bindemittel diente alter Wein oder Urin. Der grundlegende Effekt dieser Technik ist, dass Schwarzlot einen niedrigeren Schmelzpunkt hat als das Trägerglas. Mit Schwarzlot wurden Binnenzeichnungen ausgeführt oder ganze Scheiben überzogen, aus denen dann die Zeichnung herausgekratzt wurde. Bald nach 1300 kam das "Silberlot" auf, eine Verbindung aus Silberpulver und gebranntem Ocker, die beim Brennen leuchtend gelbe Farbtöne ergab. Die "Malfarbe" wurde also dem Trägerglas in einer oder mehreren Schichten aufgeschmolzen, und zwar, je nach der angestrebten Wirkung, auf der Vorder- und/oder der Rückseite. In der Spätgotik kam die Technik auf, durch teilweises Ausschleifen des ®Überfangglases lichtere Tönungen oder auch farblose Stellen zu erzielen, die anschließend mit Schwarz- oder Silberlot bemalt wurden. Das Brennen erfolgte in einem Ofen auf kreidebestreuten Eisenblechen bei mindestens 600°. Die fertig gebrannten Glasstücke wurden auf der Entwurfstafel entsprechend der Bildkomposition ausgelegt und mit der Bleirute aneinandergefügt. Die Rutenenden wurden mit einer Blei-Zinn-Legierung verlötet. Um großflächigen Fendterbildern mehr Stabilität zu geben, wurde im 13./14. Jh. eine spezielle Armierungstechnik entwickelt: man lötete zwei Bleiruten an den Schenkeln der H-Profile aneinander und führte in den entstandenen Hohlraumstarke Eisendrähte ein. Eine weitere Möglichkeit, dem Durchbiegen von Fensterflächen vorzubeugen bestand in der Lötverbindung des Bleinetzes mit Eisenstäben („Windeisen“), die in der Fensterlaibung verankert waren. Die Windeisen lassen eine optische Gliederung des Fensterbildes in Einzelfelder waagrechter Reihen und senkrechter Bahnen entstehen, wobei die Bildinhalte anfangs die Begrenzungslinien nicht überschritten. Später entstanden großformatige Kompositionen über mehrere Feldgrenzen hinweg. Musivische Glasgemälde sind um die Mitte des 9. Jh. für den Bischofspalast in Lüttich, und für die Abteikirche in Werden bezeugt, am Ende des 10. Jh. auch für die Klosterkirche in Tegernsee. Vom Anfang des 12. Jh.. stammen die Fünfprophetenfenster des Augsburger Doms.
(s. Fensterbilder; Fenster gotischer Kirchen; gotische Glasmalerei; romanische Glasmalerei; Glasmalerei der Zisterzienser; Glasschneiden; Hinterglasmalerei)