Gregor VII. (Papst)

Aus Mittelalter-Lexikon
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Gregor VII. (1073 - 1085; Hildebrand). Wahrscheinlich aus einer nichtadligen, aber bemittelten Familie aus der Toskana; wurde in Frankreich erzogen, ging als Mönch nach Cluny und diente mehreren Päpsten als Berater und diplomat. Gesandter. Nach dem Tod Alexanders II. wurde Hildebrand durch Proklamation vom röm. Volk als Papst berufen ("Hildebrand soll Papst sein!"), wobei weder auf das Papstwahldekret noch auf die Meinung des dt. Königs Rücksicht genommen wurde. Von Anfang an betonte Gregor, ein Asket und erbarmungslos gegen sich und andere, den Primat des Papsttums über die weltl. Macht (s. Dictatus Papae, 1075), die Führerschaft des "Nachfolgers Petri". Über die Frage der Laieninvestitur kam es zum Streit mit Heinrich IV., zu dessen Exkommunizierung (1076) und zu Bußgang und Lossprechung in Canossa (1077). Die zweite Bannung Heinrichs hatte die Invasion Italiens und die Erhebung des Gegenpapstes Clemens III. (1081) zur Folge, der 1084 Heinrich zum Kaiser krönte. Papst Gregor hatte sich vor den Truppen Heinrichs auf der uneinnehmbaren Engelsburg in Sicherheit gebracht. Dort wurde ihm zwar von den Normannen Entsatz gebracht, die Stimmung des Volkes wandte sich jedoch gegen ihn, als die normannischen Krieger die Stadt in nie gekanntem Maße plünderten und verwüsteten. Gregor flüchtete nach Salerno, wo er am 25. Mai 1085 verbittert starb. Die Leistung Gregors für die Papstkirche bestand darin, dass er den Gedanken des röm. Universalprimats fest verankerte, das zentralistische Verwaltungssystem der Kirche aufbaute, die Zwangs-Romanisierung der Kirche betrieb und dass er die starke Bindung der dt. Bischöfe an den König, und damit das Reichskirchensystem (s. Ottonisches Reichskirchensystem) auflockerte. Zur Durchsetzung seiner Politik bediente sich Gregor vielfach gefälschter Dokumente, die – mit päpstl. Siegel – nach Bedarf hergestellt wurden.