Harz

Aus Mittelalter-Lexikon
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Harz (Baumharz, -pech; mhd., ahd. harz, boumzaher, bech; lat. resina). Ein durchscheinendes, hell- bis dunkelbraunes, aromatisch riechendes klebriges Sekret von Nadelbäumen (Kiefern, Fichten, Lärchen) und Birken, das nicht in Wasser löslich ist, sich beim Erhitzen verflüssigt und beim Verbrennen stark rußt. Bei einer bis ins Holz gehenden Verletzung des Baumstammes tritt es als Balsam an die Oberfläche, erstarrt an der Luft und schließt so die Wunde. Tritt Harz aus seinen Bildungs- und Leitungsbahnen, den Harzkanälen, in die Holzsubstanz ein, was durch tiefgehende Verletzung provoziert werden kann, so spricht man von Verkienung. Verkiente Holzscheite wurden im MA. als Kienfackeln verwendet (s. Beleuchtung). Intensive Harzentnahme führte zum Absterben der Bäume, weshalb im 14./15. Jh. die Harzgewinnung aus lebendem Holz reglementiert wurde. Neben dem Harzen am lebenden Holz kannte man die Harzgewinnung aus totem Holz. Hierfür war das Holz vom Wurzelbereich besonders geeignet, das in Meilern verschwelt wurde. Harzderivate wie Teer (s. Teerschwelerei) und ®Pech fanden für viele Zwecke (Kleben, Dichten, Kalfatern, Imprägnieren, Schmieren, Pelzen) Verwendung und waren begehrte Handelswaren.
In der Antike benutzte man Harze von Koniferen und Pistazien für kultische und medizinische Räucherungen (gegen Husten), für die Herstellung von Wundpflastern, zusammen mit Knochenmehl und Kalk als Mittel gegen Schlangenbisse ("Schlangenstein"), sowie zur Herstellung von Arzneien gegen Rheuma, Gicht und andere Krämpfe, gegen Wurmbefall, Wehenschwäche u.a.m.
In der ma. Volksmedizin Nordeuropas wurde besonders das Harz von Fichten, Lärchen und Kiefern verwendet. Anwendungsgebiete reichten von Lungenerkrankungen und Auszehrung bis zur Behandlung von Frauenleiden und Hautwunden. Zur Zahnpflege kaute man auf Stücken von Fichtenpech (Kau-, Beißpech).
Harz fand Verwendung zu vielerlei handwerklichen Zwecken, so zum Dichten von Holzfugen (Schiffbau, Küferei) und Ledernähten (Schusterpech), zur Beleuchtung (Fackeln), zun Imprägnieren von Textilien, Tauwerk und Holz, zum Dichtmachen von Flüssigkeitsbehältern, zum Schmieren von Lagern und Gelenken, zum Entborsten von geschlachteten Schweinen (Brühpech), zur Herstellung von Seifen, Pflastern und Salben und zu anderem mehr.
(zu fossilem Harz s. Bernstein)