Pech

Aus Mittelalter-Lexikon
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Pech (mhd. bech, pech, ahd. beh, peh; von lat pix). Zähpappige, bräunlich-schwarze, wasserunlösliche und brennbare Substanz, Rückstand bei der Destillation von ®Baumharz (Siedepech). Dieses wurde von Pechkratzern (becher, becherer) besonders von lebenden Kiefern (Pinus nigra), aber auch Fichten, Tannen sowie Buchen und Kirschbäumen, in Osteuropa auch von Birken, im Süden von Pinien gewonnen. Dazu wurde die Rinde der Bäume in der Vegetationsperiode stellenweise entfernt, das freigelegte Stammholz mit dem winkelförmigen Reißhaken (mhd. dehsel) angerissen und das austretende Harz in einem Behälter aufgefangen, der unter der Wunde befestigt war. Die gerissenen Kerben mussten immer wieder nachgeritzt werden, um möglichst viel Harz austreten zu lassen. Da das Wachstum der Bäume nicht gestört werden durfte, erforderte die Arbeit des Pechers viel Erfahrung und Sorgfalt. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, die Bäume nur bei abnehmendem Mond anzureißen. Die Pechkratzer lieferten ihren Sammelertrag an die Pechhütten.
Beim Pechsieden wurden flüchtige Bestandteile (Holzöl, Wasser) aus dem Harz (oder ®Teer) ausgetrieben, schieden sich die verschiedenen Fraktionen: feines Pech verwendeten die Schuhmacher zum Versteifen und Wasserfest-machen der Hanffäden (Schusterpech), gröberes die Schreiner zum Kitten und Leimen, die Büttner zum Auspichen von Fässern und Kübeln (Pichpech) und die Schiffsbauer zum Dichten der Schiffsrümpfe (Schiffspech); der grobe Rückstand (Pechkuchen) wurde zur Herstellung von Ruß verwandt (s. Rußbrenner). Außerdem war Pech Bestandteil von Fackeln und Brandpfeilen sowie von Arzneimtteln (in Form von Pflastern, Umschlägen oder Einreibungen, nicht zuletzt für die Behandlung von Klauen- und Hufentzündugen) und diente als Weihrauchersatz. Die dickflüssige Pechmasse fand Verwendung als Wagenschmiere und als Schmiermittel für Mühlen-Wellenlager. Siedendes Pech war im HMA. und SMA. ein gefürchtetes Abwehrmittel belagerter Burgen und Städte (s. Pechnase).
Im Volksglauben galt der kräftige Geruch von brennendem Pech als dämonenabwehrend; so räucherte man am Vorabend von Walpurgis (1. Mai) Haus und Stall aus, um böse Geister und Hexen zu vertreiben. Pech wurde – ebenso wie Schwefel – mit der Hölle, dem bechec pfuol, assoziiert. Untrennbar mit Vorstellung des Pechs im Höllenpfuhl war der Gestank des Schwefels verbunden; von daher rührt die RW. "zusammenhalten wie Pech und Schwefel". Im Märchen fällt Pech vom Baum auf den Bösewicht herab und bringt ihm so Unglück; daher die RW. "Pech gehabt". Die Bezeichnung "Pechvogel" rührt vom Vogelfang mit pechbeschmierten Ruten.
An frühere Standorte von Pechhütten erinnern Orts- und Flurnamen wie Pechbach, Pechbrunn, Pechgraben, Pechhof, Pechhütte, Pechofen, Bechhofen, Pechreuth und Schmierhügel, Schmierhölzlein, Bechthal, Schmierofen usf.
In den Waldschlägen, die den Pechern zum Harzsammeln überlassen waren (den sog. Pechweiden), entstanden erhebliche Schäden, was zu Reglementierungen Anlass gab. So war etwa nach einer Verfügung aus Goldkronach (Fichtelgebirge) von 1493 das Anreißen von Fichten über und unter einer bestimmten Größe und das Ernten in fremden Pechweiden bei Strafe verboten. "... Item es wäre wohl zu raten, dass diese Pechweiden alle abgetan würden, dem Wald zugute. ..."
Patron der Pecher (wie auch der Holzhauer, Ziegler u.a.m.) war der hl. Vinzenz, der unter dem Präfekten Dacian den Märtyrertod auf einem Glutrost erltten hatte.
(s. auspichen, Teerschwelerei)