Heiliges Jahr

Aus Mittelalter-Lexikon
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Heiliges Jahr (Jubeljahr, Gnadenreiches Jahr, Goldenes Jahr; annus jubilei, a. jubilationis, a. gracie, ). Erstmals durch Bonifaz VIII. wurde am 22. Februar 1300 ein Hl. Jahr ausgerufen, ein Jahr, das jeweils unter einem bestimmten Glaubensmotto stehen, den christl. Glaubenseifer steigern sollte und durch einen vollkommenen ®Ablass für alle Rompilger ausgezeichnet war. Sollten Hl. Jahre ursprünglich alle 50 Jahre stattfinden, so verringerte sich der Abstand bis auf 25 Jahre (unter Paul II, gest. 1471). Zur Gewinnung des vollkommenen Sonderablasses war neben Beichte und Kommunion ursprünglich auch der tägl. Besuch der apostolischen Hauptkirchen Roms über eine Zeitdauer von 14 Tagen (für Einheimische 4 Wochen) vorgeschrieben; seit 1386 war der Jubelablass auch in einigen Kirchen Deutschlands zu gewinnen. Das Jubeljahr wurde am Hl. Abend eingeleitet durch die Öffnung der vermauerten Porta aurea der Peterskirche, und beschlossen durch die Wiedervermauerung am Hl. Abend des folgenden Jahres.
Das Heilige Jahr 1300 soll – zeitgenössischen Quellen zufolge – zwei Millionen Pilger nach Rom gezogen haben. Die Zahl dürfte wesentlich zu hoch gegriffen sein, schon weil die Stadt selbst seinerzeit nur ca. 50.000 Einwohner hatte. Jedoch war durch die von frommen Pilgern freiwillig niedergelegten Opfermünzen ein gewaltiger Betrag in die päpstl. Kasse gekommen, der nur zu einem kleineren Teil wieder bedürftigen Pilgern zugutekam.
(s. Jubeljahr)