Hochwasser

Aus Mittelalter-Lexikon
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Hochwasser (mhd. wazzer-güsse, -vloz, -vluot, sint-vluot; lat. inundationes aquarum). Weit über den Normalpegel hinausgehender Wasserstand von Flüssen und Seen führte im MA. häufig zu katastrophalen Überschwemmungen ufernaher Landstriche und ganzer Tiefländer. Ursache waren anhaltender Starkregen, Schneeschmelze, Eisstau oder Rückstau durch dammartig zusammengeschwemmtes Treibgut (Bäume, Stammholz, Äste) oder Hangverrutschung. Hochwasserschäden ergaben sich als Ernteschäden bis hin zum Totalausfall, Abschwemmung von Ackerkrume und Weinhängen, Beschädigung bzw. Zerstörung von Brücken, Uferbefestigungen, ufernahen Gebäuden (z.B. Mahl- und Werkmühlen) und Teichanlagen. Folgen waren stets Hunger, Teuerung und Seuchen. (Innerstädtische Überflutungen hatten eine katastrophale Verschlechterung der hygienischen Zustände und daraus resultierende Krankheitsausbrüche zur Folge. Fäkalien, Abfälle aller Art, Tierkadaver und Leichen trieben in den Fluten und lösten infektionsbedingte Sterbewellen aus. Eines derartiger Ereignisse wurde für 1341 in Minden durch den Dominikaner Heinrich von Herford überliefert.)
Ma. Chroniken belegen – je später umso dichter – viele extreme Hochwasserereignisse, so z.B. für alle größeren deutschen Flüsse (Winter 1060, 1089, 1374, Febr./März 1451, Sommer 1095, ohne Jahreszeitangabe in den Jahren 1240, 1260), für die Donau (Dezember 1013, August 1210, Juli 1270, Mai und Juni 1316, Sommer 1405, März 1432, Sommer 1462), für den Oberrhein (Sommer 886, Juli 1270, August 1302, August 1342, Januar 1374, Juni 1404 und 1406), den Rheingau (Dez. 1206, Winter 1246 und 1255, Juli 1342, Juni 1357, Februar 1374, März 1379, März 1409, März 1431, Juli 1480, Januar 1497), den Main (August 1275, Juli 1333, August 1340, Juni 1433, Mai 1443, Juni 1451, April 1486, Sommer 1484), die Elbe (August 1275, Sommer 1316, März 1355, Winter 1422, Sommer 1428), die Neiße (Juli 1310), die Mosel (März 1035, Juli 1333), die Oder (Sommer 1496), für Ulm (Febr. 1144, Jan. 1374, Febr. 1461), für das Gebiet um Eisleben (1222, 1223 – jeweils im August), in Erfurt (Mai 1144, Sommer 1233, Januar 1264), für Jena und Apolda (Ende Juni 1263), für Bad Windsheim (Sommer 1315), für Frankfurt/Main (Febr. 1322, Mai 1338), für Heilsbronn (Juni 1336), für Osnabrück und Minden (1341), für Straßburg (Juli 1343, Jan./Febr. 1374, Januar 1404), für Eichstätt (Sommer 1343, Juli 1359), für München (August 1371, Sommer 1402, Juni 1457, Juni/Juli 1484), für Bruchsal (August 1402), für Bautzen (Sommer 1413), für Münstereifel (Juli 1415), für Basel (Juli 1424), für Nürnberg (1445).
Als Jahrtausenhochwasser wird jedoch zu Recht das vom Magdalenentag (22. Juli) 1342 bezeichnet. Schon im Februar traten in Folge von Schneeschmelze, ergiebigem Regen und Eisgang viele Flüsse erstmals über die Ufer und überfluteten Felder, Dörfer und Städte. Menschen und Tiere ertranken, viele Mühlen und Wehre wurden zerstört, in Dresden und Prag brachen die Brücken. Im Sommer des gleichen Jahres führten nach tagelang anhaltendem Starkregen alle deutschen Flüsse Hochwasser. Weite Landstriche und Städte wie Nürnberg, Kassel, Frankfurt am Main, Würzburg, Straubing, Hannover, Minden, Lemgo, Halle an der Saale, Meißen, Erfurt und Colditz standen unter Wasser, die Brücken in Bamberg, Würzburg und Frankfurt, in Regensburg und Erfurt wurden zerstört, in Köln fuhr man mit Kähnen über die Stadtmauern hinweg. Tausende von Menschen und Zehntausende von Tieren kamen ums Leben. In weiten Gebieten wurden die Ernten vollständig vernichtet, verheerende Hungersnöte waren die Folge. Viele Leute hielten die "Magdalenenflut" für den Ausdruck göttlichen Zorns und für eine zweite Sintflut.

(Zu Winterhochwassern s.a. Eisgang)