Hundefleisch

Aus Mittelalter-Lexikon
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Hundefleisch. Paläo-osteologische Befunde beweisen, dass Hundefleisch in vorgeschichtlicher Zeit im Rahmen religiös-kultischer Handlungen, im MA. – evtl. nur in Notzeiten oder von armen Leuten – zu Nahrungszwecken verzehrt wurde (Kynophagie). Als beweiskräftig werden Schnitt- und Hackspuren an Knochen angesehen, wie sie beim Zerlegen von Tierkörpern zustande kommen. Schriften von Athenaios, Aristophanes und Plinius belegen, dass Hundefleisch in der Antike bei Griechen und Römern beliebt war. Auch in Siedlungen der Kelten wurden Knochenabfälle von Hunden gefunden die beweisen, „dass Kynophagie bei diesem Volk zu einer normalen Erscheinung gehörte.“ (Pia Geppert)
Mit der Christianisierung dürfte der reguläre Hundefleisch-Verzehr stark zurückgegangen sein, wurden Hunde doch aufgrund mosaischer Speisegesetze als „unreine“, d.h. zum menschlichen Verzehr untaugliche Tiere betrachtet. (Die Ächtung galt auch im Judentum und im Islam.) -
Annalen von 869 belegen Hundfleischverzehr für das Rheingebiet, für Gallien und Burgund. Andere Quellen belegen, dass 1277 Hundefleisch in Tirol, Kärnten und in der Steiermark gegessen wurde. Zu den genannten Zeiten herrschten in diesen Gegenden Hungersnöte. Nach ma. Gesetzgebung wurden Schlachter, die Hundefleisch unter falscher Auszeichnung – etwa als Lamm- oder Kalbfleisch – verkauften, streng bestraft. Das als Medizin begehrte Hundefett konnten die Apotheker auch vom Wasenmeister beziehen.
Hundfleisch ist fettarm, feinfaserig, von weicher Konsistenz, süßlichem Geruch und Geschmack und weist eine rote bis dunkelbraune Farbe auf. Wegen seiner Ähnlichkeit mit Lamm-, Hammel- und Ziegenfleisch wurde es in betrügerischer Absicht als solches bezeichnet.
(Wenn das Schlachten von Hunden auch gefühlsmäßig abgelehnt und Hundefleisch weithin als abscheuerregend empfunden wurde, so hat sich doch der Hundeverzehr bis ins 20. Jh. fortgesetzt. In Deutschland wurde das Schlachten von Hunden erst 1986 verboten.)
(s. Fleisch, Hunde, Schlachttiere)