Internationale Gotik

Aus Mittelalter-Lexikon
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Internationale Gotik. Um 1380 besonders in Paris und Prag entstandene Stiltendenzen der bildenden Künste, die europaweit angenommen wurden und als "Weicher Stil", "Schöner Stil" oder "Internationale Gotik" bezeichnet werden.
Zum europaweiten Leitbild des Schönen Stils ist die Figur der Schönen Madonna geworden: die liebliche Darstellung der Gottesmutter samt Kind. Die Himmelskönigin ist dem Schönheitsideal der Zeit entsprechend dargestellt, gekrönt und in fließend-weiche Gewänder gehüllt, ihre Körperhaltung von S-förmigem Schwung.
Stilbildend wirkten Werke der Architekten- und Bildhauerdynastie der Parler, wie sie sich z.B. in der Heiligkreuzkirche zu Schwäbisch Gmünd, im Veitsdom zu Prag oder am Kölner Dom begegnen. Die Plastiken sind gekennzeichnet durch lebensnahe Körperlichkeit, Nebeneinander von Realismus und Idealität, durch den Ausdruck von Würde und Strenge. Claus Sluter in Burgund übertrifft die Parlerschule noch in Monumentalität und Realismus.
Beispiele der Internationalen Gotik finden sich für die Plastik in den Schönen Madonnen (Böhmen, Oberbayern, Salzburger Land) und in den Skulpturen der Parler (Büsten, Sarkophag-Figuren), für die Malerei sei als Beispiel das "Paradiesgärtlein" eines oberrheinischen Meisters (um 1410; Historisches Museum, Frankfurt/M) angeführt. Um 1430 wird die Internationale Gotik vom "Harten" oder "Eckigen Stil" abgelöst (s. Witz, Konrad).