Schöne Madonna

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schöne Madonna. Bezeichnung einer besonderen Art der Marien-Standbilder, die im späten 14. Jh. gleichzeitig an mehreren, weit voneinander getrennten Orten zwischen dem Rheinland und Polen erscheint. Nicht entschieden ist die Frage, ob diese Figuren auf einen einzigen, weit umher reisenden Meister zurückgehen ("Ein-Meister-Theorie") oder ob sie einem europaweit wirkenden "Zeitstil" zu verdanken sind. (Als möglicher Künstler der "Ein-Meister-Theorie" wird Heinrich Parler angesehen.)
Die "Schönen Madonnen" verkörpern eine lieblich-idealisierte Marienfigur, das Kind im Arm tragend. Die Haltung der Frauengestalt erscheint S-förmig geschwungen, das Haupt bekrönt, das zeitlose Gewand in weiche, fließende Falten gelegt. Die himmlische Schönheit Mariens wird durch die Fassung in hautfarbenen, blauen, roten, weißen und goldenen Farbtönen unterstrichen. Als Haupttypen werden die heute verschollene Madonna von Thorn und die von Krumau betrachtet. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, dass die aus Thorn das Kind über dem Standbein, die aus Krumau über dem Spielbein trägt.
(s. gotischer Schwung, Internationale Gotik)