Irland

Aus Mittelalter-Lexikon
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Irland (irisch Eire, Erin; lat. Hibernia, Scotia major). Die vor der Westküste Britanniens gelegene Insel war ca. 500 v.u.Z. von aus dem Kontinent eingewanderten Kelten besiedelt worden, hatte eine eigene Sprache (das Gälische), einen reichen Brauchtums- und Sagenschatz und eine von Druiden geführte Religion. Die irischen Stämme waren in Klans untergliedert und in kleineren Königreichen organisiert, die sich zu fünf Herrschaftsgebieten zusammenschlossen: Ulster, Connacht (Connaught), das nördl. Leinster (oder Meath), das südl. Leinster und Munster. Die gemeinsame Hauptstadt war Tara (County Meath). Die Insel wurde im Gegensatz zu England nicht von den Römern erobert, wurde jedoch im 5. Jh. von der röm. Provinz Britannia aus christianisiert. Hauptmissionar war der spätere Nationalheilige Patrick (lat. Patricius). Es entstand eine blühende Klosterlandschaft (charakterisiert durch die Rundtürme der Klosterkirchen). Seit 795 wurden Teile der Insel von Wikingern erobert, die an der Küste feste Stützpunkte einrichteten (u.a. Dublin). Erst 1014 konnten sie besiegt und vertrieben werden. Um 800 kam es infolge politischen Zwists unter den Teilkönigen, durch Kriege und durch Verheerungen zum einen Niedergang des Inselreiches. 1169-72 eroberten Truppen des engl. Königs Heinrich II. die Insel, entmachteten die irischen Fürsten, nahmen das beste Land in Besitz, unterdrückten die einheimische Bevölkerung und siedelten anglo-normannische Kolonisten an. (Die Usurpation war ausdrücklich befürwortet worden durch den englischstämmigen Papst Hadrian IV. {1154-59}, durch seine Bulle "Laudabiliter" {1155}). Seit dieser Zeit unterstand Irland trotz wiederholter Aufstände der engl. Krone. 1297 wurde nach engl. Vorbild ein Parlament eingerichtet, dessen Beschlüsse jedoch seit 1494 der Bestätigung durch den engl. König bedurften. - 1315 bis 1318 unterstand die Insel dem Schotten Edward Bruce, der mit einem Expeditionsheer eingefallen war und sich zum König hatte krönen lassen. Dieser Schottenkriegszug fiel mit einer europaweiten Hungersnot (1315-17) zusammen. In der Schlacht von Faughart (Fochard, 1318) ist Edward Bruce gefallen. - Ab 1348 wütete die Pest und sollte während der folgenden drei Jahre etwa ein Drittel der Bevölkerung dahinraffen und anarchische Zustände hinterlassen. Die Herrschaft wurde in dieser Zeit von englischen lords und alteingesessenen irischen Klanchefs ausgeübt. Ab der ersten Hälfte des 15. Jh. kam es zu einer wirtschaftlichen Erholung, die ihren Niederschlag im Bau vieler Burgen, Klöster und Kirchen fand.
(s. Iren, Irische Kunst und Kultur)