Jüdische Bauten

Aus Mittelalter-Lexikon
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jüdische Bauten. In Deutschland sind jüdische Synagogen seit dem 8.-11. Jh. belegt, rituelle Bäder (®Mikwen) seit dem 12. Jh. Eigene Lehrhäuser (Talmudhochschulen) gab es nur in größeren Gemeinden, im übrigen wurde religiöser Unterricht in den ®Synagogen erteilt, die deswegen auch Schule, Schul genannt wurden. Synagogen waren dadurch gekennzeichnet, dass sie die angrenzenden Bauten überragten, sowie durch Zentrierung des ein- oder zweischiffigen Innenraums und durch Verzicht auf Dreischiffigkeit und auf einen Turm. Außerdem hatten sie kleiner als die nächste christl. Kirche zu sein. Die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge Deutschlands steht in Erfurt; sie stammt aus dem 11. Jh. und beherbergt seit 2009 ein reichhaltiges Museum zur jüdischen Kultur.
Rituelle Judenbäder (Mikwen) entstanden im 12. Jh. in Speyer und Worms, um 1170 in Köln, um 1260 in Friedberg, um 1300 in Offenburg, im 14. Jh. in Andernach und im 15. Jh. in Köln-Deutz. Synagogen sind belegt oder erhalten in Köln und Speyer (11. Jh.), in Worms (12. Jh.), in Regensburg, Bamberg, Miltenberg, Prag (13. Jh.) und Krakau (14. Jh.).
Häuser für Versammlungen der Gemeinde, für das Feiern von Festen und für Tanzveranstaltungen, sind im HMA. und SMA. in größeren Städten wie z.B. Nürnberg, Erfurt, Köln, Trier, Speyer, Worms oder Frankfurt/M. entstanden. Sie wurden im MHD. spilhus oder dantzhus geheißen, lat. domus communitatis Judeorum (s. Tanz).
Andere von Juden benutzte Bauten (Wohn- und Gasthäuser, Herbergen, Spitäler, Schlachthäuser, nach Geschlechtern getrennte Badhäuser) sind nicht erhalten geblieben. Die Bauten der Judenheit errichteten vom beginnenden 13. Jh. an christliche Bauleute, nachdem die Juden aus den Handwerken verdrängt worden waren. Die Bauten dürften wohl denen vergleichbarer christl. Einwohner entsprochen haben und passten sich im Stil (roman., got.) dem jeweiligen Zeitgeschmack an.