Köln

Aus Mittelalter-Lexikon
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Köln (unter röm. Herrschaft gegründet als Oppidum Ubiorum und als Colonia Claudia Ara Agrippinensium zur Stadt erhoben; von den Franken als Colnaburg bezeichnet). Eine Siedlung der von den Römern als Bundesgenossen gewonnenen und 38 v. Chr. am linken Rheinufer sesshaft gemachten Ubier (Oppidum Ubiorum) wurde 50 n. Chr. zu Ehren der Kaiserin Agrippina in Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Unter Claudius gegründete Kolonie am Platz des Altars der Agrippinensier) umbenannt und bekam das röm. Stadtrecht verliehen. Die Stadt wurde zu einem bedeutenden Handelszentrum und war schon 313 Sitz eines Bischofs. Nach wiederholten Vorstößen der Franken ging die Römerherrschaft 456 zu Ende. Karl d. Gr. richtete 795 des Erzbistum Köln ein. Die Erzbischöfe von Köln standen im Rang nur hinter denen von Mainz zurück; ihre Macht erstreckte sich über die gesamte Rheinprovinz. Der Kölner Kirchenprovinz hatte Karl I. d. Gr. die Bistümer Bremen, Münster, Minden, Osnabrück sowie als Suffraganbistümer Lüttich und Utrecht zugeschlagen. Seit 1021 war der Kölner Erzbischof stets auch Kanzler des Reichs und dazu privilegiert, die Königskrönungen in Aachen vorzunehmen.
881 war die Stadt von den Normannen zerstört worden, hatte sich jedoch bald wieder erholen können. 925 kam Köln zum Dt. Reich, im gleichen Jahr wurde eine benachbarte Marktsiedlung durch die erste von drei Stadterweiterungen einbezogen. 953 wurde Bruno, der tatkräftige Bruder Kaiser Ottos I., Herzog von Lothringen, Kölner Erzbischof. Unter seiner Herrschaft erblühten Handwerk, Handel und Gewerbe. Er gründete Klöster, Stifte und Kirchen, erbaute eine Königspfalz für seinen kaiserlichen Bruder und sorgte für den Ausbau der Stadt.
Im 11. Jh. war Köln der bedeutendste Marktort Deutschlands, über den Rhein als Handelsweg wurden Märkte von Basel bis hin nach London erschlossen. Wichtigste Exportgüter waren Wein, Metallwaren, Wolltuche, Leinwand und Seidenstoffe.
Die Anziehungskraft Kölns als Wallfahrts- und Pilgerziel beruhte ursprünglich auf der Verehrung der Reliquien von St. Gereon und St. Ursula. Die Überführung der Gebeine der Hl. Drei Könige aus Mailand (1164) machte Köln zu einer der großen Wallfahrtsstätten der Christenheit. (Die Drei-Königs-Reliquien waren dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel von Kaiser Friedrich Barbarossa zum Dank für entscheidende Waffenhilfe in Italien (1162) übereignet worden.) Zur Krönungsreise dt. Könige nach Aachen gehörte von da an ein Besuch am Dreikönigsschrein in der Kölner Kathedrale. Das wachsende Stadtgebiet war 1106 mit einen gemeinsamen Bering umfasst worden, der schon 1180 erweitert werden musste. Um 1200 war Köln mit 40.000 Einwohnern die größte Stadt des Dt. Reiches und durfte sich der längsten Stadtmauer mit insgesamt zwölf Toren rühmen. Zu dieser Zeit war Köln auch das größte kirchl. Zentrum Deutschlands und beherbergte 19 Pfarrkirchen, 100 Kapellen, 22 Klöster und 11 Kollegiatstifte. 1248 wurde unter Erzbischof Konrad von Hochstaden an der Stelle der alten karolingischen Bischofskirche mit dem Bau des got. Domes begonnen und die Ordensschule der Dominikaner gegründet, die durch Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Meister Eckhart zu großem Ruhm gelangte. Seit 1241 war Coellen Mitglied und einer der Vororte der Hanse, 1259 erhielt die Stadt das Stapelrecht, 1388 erlangte der Rat von Urban VI. die Genehmigung zur Stiftung eines Generalstudiums für Theologie, Kirchenrecht, Röm. Recht und Medizin; 1389 entstand daraus die erste städt. Universität des Dt. Reiches.
Die Kölner Bürgerschaft lag seit der zweiten Hälfte des 11. Jh. mit den Erzbischöfen in stetem Kampf um eine Beteiligung am Stadtregiment. 1074 konnte ein Aufruhr wegen eines vom Erzbischof beschlagnahmten Handelsschiffes nur mit Gewalt niedergeschlagen werden. 1112 schlossen sich die Kölner zu einem Schwurverband zusammen, dessen Leitung bei dem patrizischen Gremium der "Richerzeche" lag. 1139 findet erstmals ein "Stadthaus" Erwähnung. 1216 konstituierte sich der Rat. Die Folgezeit war gekennzeichnet durch wachsenden Reichtum und Einfluss der aristokratischen Kaufmannsgilden, und durch deren ständige Zusammenstöße mit dem Machtsanspruch der Erzbischöfe. Die Stadtpatrizier erlangten die faktische Macht 1288 durch die siegreiche Feldschlacht von Worringen gegen den Erzbischof, den sie als nominellen Stadtherren weiterhin anerkannten. 1396 erkämpften sich die Handwerkerzünfte ("Gaffeln"), allen voran die Weberzunft, den Zugang zum städt. Rat, wo sie die Herrschaft der "Geschlechter" beendeten. 1288 wurde Köln de facto, 1475 de iure Freie Reichsstadt. Köln war zeitweilig – neben Lübeck – die wichtigste Stadt der ®Hanse („Weinhaus der Hanse“).
Neben dem (erst 1880 vollendeten) got. Dom St. Peter und Maria (mit dem Dreikönigsschrein von 1181 und dem Gerokreuz aus dem 10. Jh.) hat sich eine große Zahl ma. Sakral- und Profanbauten erhalten, darunter St. Maria im Kapitol (11. Jh.), St. Gereon (4.-13. Jh., mit dekagonalem Kuppelbau), St. Pantaleon (10. Jh., Grab der Kaiserin Theophanu), St. Georg (11./12. Jh.), St. Ursula (12. Jh., mit den Reliquien der hl. Ursula und ihrer Gefährtinnen), St. Andreas (13. - 15. Jh., Sarg mit den Gebeinen des hl. Albertus Magnus), Groß St. Martin (erbaut ab 1150; romanische Basilika mit Dreikonchenchor und markantem Vierungsturm), St. Aposteln (Baubeginn Anfang des 11. Jh., Einwölbung um 1220; Westchor und kleeblattförmiger Ostchor, Westturm mit Rautenhelm, oktogonaler Vierungsturm), das Overstolzhaus (13. Jh.), der Gürzenich (ein patrizischer Festsaalbau aus d. 15. Jh.) und Reste der Stadtbefestigung (mit Severins-, Hahnen- und Eigelsteintor).
Der Kölner Dom, erbaut anstelle des "Alten Doms" (geweiht um 870) und noch älterer Vorgängerkirchen, ist das größte got. Bauwerk Deutschlands. Er entstand im wesentlichen zwischen 1248 (Grundsteinlegung am 15. August durch Bischof Konrad von Hochstaden) und 1560 (Einstellung der Bauarbeiten infolge Geldmangels und reformatorischer Wirren); endgültig fertiggestellt wurde er erst 1842 bis 1880. Die ersten Dombaumeister, ®Gerhard, sein Nachfolger Arnold und dessen Sohn Johannes, hatten eine an französischem Vorbild orientierte kreuzförmige Basilika konzipiert, mit fünfschiffigem Langhaus und dreischiffigem Querbau. Die Seitenschiffe setzen sich um den Chor in einem siebengliedrigen Kapellenkranz fort. Die doppeltürmige Westfassade enthält fünf Portale. Das Kirchenhaus ist 144 m lang, 86 m breit und 61 m hoch; die Höhe der Türme beträgt 157,3 m. Das 144 m lange und exakt verlegte Fundament ist mit 120.000 Tonnen ebenso schwer wie der aufgehende Bau. Baumaterial ist Trachyt aus dem nahen Siebengebirge. - Der Kölner Dom zählt – nicht zuletzt wegen des Chorstrebewerkes und wegen der Fassadengestaltung – zu den herausragenden Bauwerken der Deutschen Gotik.