Katzen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Katzen (mhd. katze; ahd. kazza; wahrsch. aus einer nordafrikan. Sprache, vgl. nubisch kadis = Katze; auch musfanger, mushunt, musvaher; grch. catta; lat. felis, muriceps, murilegus, pilax, cattus; wiss. felis silvestris lybica var. domestica). Falbkatzen waren um 1500 v. u. Z. in Nordafrika (Nubien, Ägypten) domestiziert worden, wo die Hauskatze als Mäuse- und Rattenjäger (und damit als Erhalterin der Getreidevorräte) in hohem, bald sogar göttlichem Ansehen stand. (Um 800 v. u. Z. blühte der Katzenkult der Göttin Bastet im unterägyptischen Bubastis; in einer kultischen Katzennekropole im ägyptischen Istabl Antar (Speos Artemidos) wurden mehr als 180.000 Katzenmumien gefunden.)
Durch archäoosteologische Feststellungen wurde nachgewiesen, dass die Hauskatze erstmals in der zweiten Hälfte der Latenezeit (ca. 500 v. u. Z. bis zur Zeitenwende) – wahrscheinlich durch Vermittlung der Kelten – nach Mitteleuropa gekommen ist. Spätere Knochenfunde belegen Katzenhaltung in vielen Römersiedlungen an Rhein und Mosel. Katzenskelette verweisen bis in die frühe Neuzeit auf einen kurzbeinigen Typ von geringerer Körpergröße – gemessen an rezenten Katzen. Seit der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends gehörte die Hauskatze allgemein zum Haustierbestand Europas. Sie war einerseits – auch in Klöstern – als nützlicher Hausgenosse geschätzt, andererseits wurde sie im Namen der Kirche, nicht zuletzt wegen ihrer nächtlichen Aktivität und ihrer "glühenden" Augen, als Teufels- und Hexentier verfolgt. Dem ma. Symbolismus galt die Katze als der Teufel, der nach der menschlichen Seele in Gestalt der Maus jagt. Zur Teufelsaustreibung und Schadensabwehr wurden Katzen lebendig vergraben, eingemauert oder verbrannt. Da vereinsamte, alte Frauen sich gerne eine Katze als Hausgenossen hielten, entstand zur Zeit des Hexenwahns das Bild der Kumpanei von Hexe und Teufelskatze. Katzen wurden zusammen mit als Hexen verdächtigten Frauen gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. (Berthold von Regensburg leitet „Ketzer“ von „Katze“ ab. Im Hexenhammer wird von Hexen in Katzengestalt berichtet, wird die Katze als „das ständige Sinnbild des Ungläubigen“ dargestellt). Auch galten sie als Symbol der Falschheit und des Ehebruchs, weshalb sie zusammen mit Ehebrecherinnen in einen Sack genäht und ertränkt wurden. Mancherorts, so im Elsaß und in Regionen Frankreichs und Englands, gab es den Brauch des "Katzenschindens", bei dem zum Gaudium des Umstandes lebende Katzen ins Fasnachtsfeuer geworfen wurden.
Der ma. Volksglauben unterlegte der Katze vielfältige Bedeutungen: Sie konnte Zukünftiges durch ihr Benehmen ansagen (so sollte es Regen geben wenn sie sich "wäscht" oder Unheil, wenn sie einem des Morgens über den Weg läuft). In Katzengestalt konnten arme Seelen, aber auch Hexen, Dämonen oder der Leibhaftige selbst erscheinen. Als besonders unheilbringend galten große schwarze Kater und Katzen mit "glühenden" Augen.
Mit der starken Abneigung, die man Katzen im MA. entgegenbrachte, dürfte eine massenhafte Ausrottung der Tiere einhergegangen sein. Es wird sogar die Meinung vertreten, dass sich die Pest auch deshalb so stark verbreiten konnte, weil Ratten - Zwischenwirte des Pesterregers - in weit geringerem Maße durch Katzen ausgemerzt wurden.
Wirtschaftlicher Nutzung unterlagen Katzenhaut (Leder für Handschuhe) und Katzenfell (Futter für Mäntel, Material für Mützen, Taschen und Beutel {Geldkatze} sowie als Heilmittel gegen Rheuma oder Gicht). Katzenfleisch diente wohl nur in Notzeiten als Nahrungsmittel, ma. Naturkunden raten vom Verzehr ab. In der Medizin verwendete man Katzenblut (gegen Fallsucht), Katzengalle (gegen Frauenleiden), pulverisierter Katzenkopf (gegen Augenkrankheit), Katzenfett (gegen Lungenkrankheiten), Katzendarm (zur Herstellung von Saiten für Streichinstrumente sowie von chirurgischem Nahtmaterial), Katzenkot (gegen Kahlköpfigkeit) u.a.m. Das Verb katzbalgen dürfte ursprünglich auf das Katzenschinden (Balgabziehen vom Katzenkörper) gemünzt gewesen sein; erst später hat es die Bedeutung sich zanken angenommen.
Hildegard v. Bingen schreibt in "Von den Tieren", Buch VII, Kap. XXVI: "Die Katze ist mehr kalt als warm; sie zieht üble Säfte an, fürchtet sich nicht vor Luftgeistern und diese sich nicht vor ihr, und sie hat eine gewisse natürliche Beziehung zur Kröte und zur Schlange." Im Sommer, wenn die Hitze am größten ist, muss sie wegen ihrer trockenen und kalten Natur den Saft von Kröten und Schlangen lecken um daraus Lebenskraft (labezocht) zu gewinnen. Von diesem Saft ist ihr Fleisch giftig.
(Bis in die frühe Neuzeit wurde die Hauskatze züchterisch nicht beeinflusst. Die planmäßige Zucht verschiedener Rassekatzen sollte erst um 1800 in England einsetzen.)
(s. Bauopfer, Handschuhe, Hexentiere, Ketzer)