Kinderbischofspiel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Kinderbischofspiel. Im 10. Jh. verbreitete sich, wahrscheinlich von St. Gallen ausgehend, der Brauch des Kinderbischofspiels. Dabei wurde vor dem St. Nikolaus-Tag ein "Schul-Bischoff" oder "Apffeln-Bischoff" aus der scola trivialis gewählt, dem eigene Kapläne und Pedellen zur Seite standen. Der Kinderbischof nahm am Nikolaustag und am Tag der Unschuldigen Kinder nahe dem Hochaltar am Vespergottesdienst teil, zog auch mit seiner Begleitung hymnensingend und gabenheischend umher. Er durfte die übrigen Kinder und auch Erwachsene mit „Strafen“ belegen, von welchen sich diese durch das Aufsagen lateinischer Verse bzw. durch kleine Gaben freikaufen konnten. Zweck des Rollentausches war eine kurzzeitige Befreiung von der strengen Schulzucht und eine spielerische Revanche gegen die Erzieher; nebenbei wurden bei dem Rollentausch Rituale und Verhaltensweisen eingeübt, die für das spätere geistliche Leben von Bedeutung waren. In Deutschland ist der Brauch für Worms (1307), Lübeck (1336), Moosburg (1360), für Regensburg, Köln, Prag und Mainz belegt.
Dem disziplinierten und von religiösem Ernst getragenen deutschen Kinderbischofsspiel standen, zumindest bis zur kluniazensischen Reform, die eher burlesken Spiele in Italien, Spanien, Frankreich und England gegenüber. (s. Schulabtspiel)