Schulabtspiel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schulabtspiel. Wohl um die strenge Zucht des ma. Schulbetriebs wenigstens in der Weihnachtszeit zu lockern, gestattete man im 10. Jh. den Schülern der Klosterschule St. Gallen ein launiges Rollenspiel, das sie am 25. November, dem Tag der hl. Katharina (Patronin des Lehrstandes und der Wissenschaft) mit der Wahl eines „Schulabts“ aus ihrer Mitte begannen. Dieser suchte sich unter seinen Mitschülern zwei „Kapläne“ als Helfer. Am 12. Dezember, dem Tag vor dem Fest der hl. Lucia, brachten die Schüler dem Schulabt ihre Huldigung dar. Am Vorabend des 28. Dezember, des Festtages der Unschuldigen Kinder (der Schutzheiligen der Chorknaben), übergab der Leiter der Schola cantorum während der zweiten Vesper einem Schüler den Dirigentenstab und machte ihn somit für den kommenden Tag zum Chorleiter. Am Festtag saßen die Schüler im Chorgestühl der Mönche, der Schulabt hielt die Vesper und spendete den Segen und bei den Mahlzeiten durften Schüler vorlesen. Wen immer sie an diesem Tag in der Schule antrafen, hielten sie fest und ließen ihn nur gegen eine Gabe wieder frei.
(s. Kinderbischofspiel)