Klingenschmied

Aus Mittelalter-Lexikon
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Klingenschmied (Klinger; mhd. klinge = Klinge des Schwertes, Schwert; v. mhd. klingen = hell tönen, nach dem hellen Klang beim Auftreffen des Schwertes auf Helm oder Panzer; mlat. gladiator, armamentarius). Der Waffenschmied stand in alter Tradition und besonderem, fast mythischem Ruf. Seine Kunst bestand in der Ausformung und Vergütung der Schwertklinge (s. Damaszieren). Durch wiederholtes intensives Glühen und Hämmern des Werkstücks wurden Härte und Elastizität verbessert, wurde aus Eisen Stahl. Die erhitzte Klinge wurde durch „Abschrecken“ in einem kalten Bad (Wasser, Urin, Blut) gehärtet. Vom 13. Jahrhundert an gingen die ausgeschmiedeten Klingen zur Fertigstellung noch durch die Hände der Schleifer und Schwertfeger. Außer Schwertklingen fertigte der Klinger auch Messerklingen, die er anfänglich zum Weiterverkauf bzw. zum Vervollständigen mit Griff und Scheide den Messerern verkaufen musste, welche das Verkaufsmonopol innehatten. Erst im 15. Jahrhundert konnten die Klinger das Verlagsrecht der Messerer überwinden und ihre Messer selbst verkaufen.

Im Frühmittelalter standen fränkische Waffenschmiede in höchstem Ansehen, verstanden sie doch die Kunst, durch Aufkohlen von phosphatreichem Eisen Stahl von höchster Qualität herzustellen. Trotz Exportverbots durch die Karolingerkönige fand europaweit ein lebhafter Handel mit fränkischen Qualitätsklingen statt. Im Spätmittelalter waren die Steyrer, Solinger und Nürnberger Klingenschmiede berühmt für ihre Kunstfertigkeit. Ihre Produkte waren durch eigene Beschauzeichen gekennzeichnet, die nicht selten von der Konkurrenz gefälscht wurden.